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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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vollends den Hals. Venedig’s und Genua’s Macht, da die Quellen ihres Reichthums versiegen, verfällt, und die raubsüchtigen Horden der Türken und Araber bringen die alten Wege des Landtransports nach und von Indien ganz in Verruf. Plünderung der Karavanen, sowohl in Asien, als in Afrika, schrecken von ihrem Betreten ab, und das mittelländische Meer selbst wird endlich zum Tummelplatze von Serräubern, die den Verkehr mit den größten Gefahren umgeben und selbst den Küstenhandel zerstören. Die friedlichen Kauffahrer sehen sich den Korsaren der Barbaresken Preis gegeben, wie dem Jäger das Wild. Genua und Venedig, die sonst den Handel der Erde beherrschten, sinken zu Küstenmärkten herab und die von ihnen ausmündenden Handelsstraßen veröden. Nürnberg, Augsburg, Köln, Mainz, Erfurt verlieren ihre Bedeutung, und während in ihren Mauern von ihrer Handelsgröße nichts zurück bleibt, als die Erinnerung – „der Schatten eines Schattens“, – blühen die Repräsentanten des oceanischen Verkehrs – Amsterdam, London, Antwerpen, Lissabon, Kadix, Hamburg – in Herrlichkeit auf. Endlich wird durch die den ganzen Erdkreis umspannende Kolonisation und Schifffahrt Englands der Seehandel zum Monopol dieses Reichs, und während Napoleon’s Herrschaft ist der britische Dreizack das Zepter, das alle Meere beherrscht.
Mit dem Federzuge, mit dem Napoleon 1814 seine Abdankung unterzeichnete, durchstrich er Britanniens ausschließliches See-Handelsprivilegium, und was einen Herrn gehabt hatte, ging nun an viele Herren über. Die Meere werden von den Korsaren gereinigt, der Seeraub in seinen Sitzen, den Barbareskenstaaten, zerstört für immer, und das Mittelmeer gewinnt wieder die Bedeutung, welche ihm durch seine Zentrallage naturgemäß zukommt. Die in Asien und Nordafrika gleichzeitig fortschreitende Zivilisation führt die langentbehrte Sicherheit in jene Gegenden zurück, und die alten Landwege nach Indien und Mittelasien fangen an, sich von Neuem mit den Zügen der Karavanen zu beleben. Die Dampfschifffahrt reicht der Spekulation, welche wieder ihr Auge auf jene, Jahrhunderte lang verlassen gewesenen Straßen richtet, die Hand, und als sie die die Meere trennenden Länder Zentraleuropa’s mit Eisenschienen belegt, wird es zur Gewißheit, daß das verschollene System des Kontinentalhandels in veredelter Gestalt wieder aufleben werde.
Was lebt, stirbt, und was ist, vergeht; doch Manches, was man für todt gehalten hat, schläft nur und kehrt unter dem Rütteln der Zeit in’s Wachen zurück. Unsere Zeit, die so Vieles anders macht, ändert auch die Handelswege, und tausend Bestrebungen und Thätigkeiten schreiben’s mit Flammenschrift an die Tafel der Zukunft: der Welthandel wird zurückkehren in die alten, natürlichen Bahnen, die kürzesten und geradesten, die er vor Jahrhunderten nothgedrungen verließ. Noch steht zwar das osmanische Reich mit seiner Anarchie, Ohnmacht und Dummheit hindernd im Mittelpunkte all dieser Thätigkeiten, welche auf die Wiedereröffnung der diametrischen Bahnen des Handels der alten Kontinente hinzielen: aber die Todesstunde des Sterbenden rückt ja mit
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 92. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/100&oldid=- (Version vom 28.4.2025)