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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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geradesten Linien führenden Schienenwege fertig gebaut hat, von denen leider bis zur Stunde noch nicht ein einziger existirt. Nord- und Ostsee (Amsterdam, Bremen, Hamburg, Kiel, Lübeck, Stettin) und das Adriameer, oder den Golf von Genua knüpft noch keine Bahn zusammen. Das Daseyn der Schienenwege allein würde jedoch auch nicht genügen. Niedrige Tarifsätze – solche Sätze, wie sie noch auf keiner deutschen Bahn bestehen, aber auf den in Nordamerika mit den Kanälen und Strömen konkurrirenden Schienenwegen gelten – müssen dem geknebelten Herkules die Arme lösen, daß er seine Wunderthaten verrichte; sie müssen den Bann von hundert Gegenständen des Transports nehmen, die ohne Wohlfeilheit unbeweglich bleiben; sie müssen den Bahnen die Millionen Zentner von Gütern zuführen, welche sonst, trotz des ungeheuern Umwegs und Zeitverlustes, das Meer nicht verlassen werden. Die Erfahrungen, die man in Amerika mit den niedrigen Tarifsätzen gemacht hat, grenzen an’s Wunderbare, und aus diesen soll Deutschland Nutzen ziehen. Bahnen, welche unter der Konkurrenz der Kanäle früher nicht die Administrationskosten aufbrachten, so lange hohe Tarifsätze galten, tragen jetzt 10 Prozent und mehr Dividende, seitdem sie die Sätze für Produkte auf anderthalb Cents pr. engl. Meile und Tonne (20 Zentner) für Rohprodukte herabsetzten. Das ist kaum ein halber Kreuzer, (etwa 1½ Pfennig) pr. Zentner und deutsche Meile, während die niedrigste Fracht auf den wohlfeilern deutschen Bahnen mindestens das Doppelte ist. Wenn man von Hamburg nach Triest (100 Meilen) zu ½ Thaler den Zentner wird verladen können, so werden von 15 Millionen Zentner Güter, die jährlich den weiten Seeweg nach Triest nehmen, mindestens 8 Millionen diese Straße wandern, und dieser Transport allein wird eine jährliche Bruttoeinnahme von 4 Millionen Thaler gewähren. Die Bahn aber, welcher der Transport weniger als ein Pfennig einsteht, wird 1¼ Million Thaler daran gewinnen.
Was ist nun aber geschehen, um Deutschlands so glückliche Zentrallage zu benutzen, um sich anzueignen die neuen Wege, welche der Weltverkehr mit diametrischer Richtung durch Europa zu brechen sucht, um seine 3 Meere und seine Hauptströme mit Schienenwegen auf das Vortheilhafteste und Kürzeste zu verbinden?
Zerrissenheit ist unser Fluch, und die Eigensucht des Partikularismus hemmt jede große That. Sie läßt kein Verständniß zu, so wenig in politischen, wie in volkswirthschaftlichen Dingen. 28 Eisenbahnen, die zusammen eine Länge von 640 Meilen haben, hat Deutschland gebaut, über 260 Millionen Thaler des Nationalvermögens hat es dafür ausgegeben; aber vereinzelt wirkten die ungeheuern Kräfte, und keine einzige jener Unternehmungen erhob sich bei ihrem Beginn zu einer großartigen Berücksichtigung der Nationalinteressen Deutschlands und stieg zur Frage empor: Welche Linie bedarf der Weltverkehr, damit er sich durch Deutschland diametrisch bewege, und welcher zur Verbindung der drei deutschen Meere? Es ließen vielmehr fast alle unsere Eisenbahnunternehmungen das Streben deutlich erkennen, nichts zu berücksichtigen als das Sonderinteresse einzelner Provinzen,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 94. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/102&oldid=- (Version vom 28.4.2025)