Seite:Meyers Universum 13. Band 1848.djvu/105
| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
|
|
Mein Plan ist eingescharrt und Gras wächst auf seinem Grabe, und die Seite, welche er in der Geschichte des deutschen Eisenbahnwesens einnimmt, ist ein trauriger Beleg mehr zu der Wahrheit, daß in Deutschland, bei seiner Zerrissenheit, am Willen der Regierungen selbst das anerkannt Große, Gute und Nützliche scheitern kann, für welches man zu seiner Ausführung nichts weiter bedarf, und für das man nichts weiter will, als das – Laissez faire! Ich habe von meinen patriotischen Bestrebungen niemals Anderes geärndtet, als Schmerz und Trauer, Haß und Anfeindung, Verlust und Unglück: – auch jenes gescheiterte Unternehmen ward für mich eine Quelle dauernder Leiden; doch bereue ich es auch jetzt nicht, das Große angestrebt zu haben, wenn auch den feindlichen Mächten es gelang, die That zu vereiteln. Ich denke des Spruchs des griechischen Weisen:
Ob es gelingt oder nicht – hängt an der Laune des Glücks.
Der Viadukt bei Gotha ist eine der schönsten Kunstbauten der thüringer Eisenbahn, welche, von Halle bis Eisenach reichend, einst ihre Fortsetzung zum Mittelrhein und von da über Metz nach Paris finden wird. Ja dieser Gewißheit liegt die Sicherheit ihrer spätern großen Rentabilität, die jetzt – und so lange die Verbindung mit dem Rhein und dem westlichen Bahnnetze nicht hergestellt ist, – sich nicht geltend machen kann und verkümmert. Sie theilt in dieser Beziehung das Schicksal der meisten deutschen Bahnen.
Der Viadukt bei Gotha überbrückt in einer Höhe von 40 Fuß ein 381 Fuß breites Thal. Er ist ein geschmackvoller Bau, der die ganze Gegend schmückt. Das Material zu demselben ist Kalkstein; blos die Ecken der 9 Pfeiler sind, um der größern Dauer willen, aus festen Sandquadern gemauert.
Dicht am Viadukt lehnen sich die freundlichen Anlagen eines Lustorts der Gothaner – der Walkmühle, – an die sich die neuen Gebäude der Willingschen Brauerei reihen, welche sich durch die umsichtige Thätigkeit ihres Gründers in wenigen Jahren zur größten und blühendsten des thüringer Landes erhob. Sie versendet ihr Produkt (30,000 Eimer treffliches Lagerbier) in weiten Entfernungen und das Geschäft wächst mit jedem Jahre.
Vom Viadukt aus hat man einen schönen Blick auf das Panorama des Thüringerwaldes.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 97. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/105&oldid=- (Version vom 28.4.2025)