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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Kannst du die Heimath nicht finden? Kannst du das neue Einheits-Deutschland nicht mehr erkennen in der verschossenen Blouse? Ich sage dir, du kannst nicht fehlen: wo zerlumpte Trikoloren auf dem Rathhausboden stehen, wo die Kerker angefüllt sind in jedem Städtchen und auf jedem Gericht die Untersuchungsakten zu Bergen anwachsen, – da ist deine Heimath, und wo der Belagerungszustand die Regel ist in den Residenzen der Landesväter, – da ist das freie deutsche Reich. Geh’, es ist gut predigen vor dem Idus des Märzes. – Sag’, Politikus, wird Michel wieder Alpdrücken haben und im Schlafe von Revolution sprechen?“ So fragte der Spötter. – Ich aber entgegnete verdrießlich: Träumen wird er nicht wieder; doch der März bleibt nicht aus. –
Der erste Park der Erde war – das Paradies, und das erste Verbot, und der erste Ungehorsam, und die erste politische Untersuchung, und die erste Ausweisung – die waren ebenfalls im Paradiese. Und so alt wie das Paradies ist, so alt ist der Kampf der nach Erkenntniß ringenden Menschheit, und so starr tritt schon in ihrem ältesten Buche die Priesterlehre gegen das Streben nach den Früchten des Wissens und für den blinden Gehorsam auf.
Die Menschen wurden aus dem Paradiese vertrieben. Die Sorge und die Noth ergriff sie mit kalter Hand und führte sie der rücksichtslosen Natur in die Arme, die ihre besten Früchte hinter Arbeit und Gefahr verbirgt. Und das war gut. Denn fortan war der Mensch frei in seinem Forschen nach Erkenntniß; das Ringen nach den Früchten des einst verbotenen Baums wurde die Pflicht, die Aerndte, der Lohn auf Erden, und die Rückkehr der Seelen in den Garten des ewigen Friedens die schöne, fromme Hoffnung der Menschheit, eine Hoffnung, welche alle Völker belebt und jedem Glauben alleinseligmachende Kraft verleiht.
Das Bild von der Herrlichkeit des Paradieses behielt aber seine Farbenfrische in der Erinnerung und Sehnsucht auch der spätesten Geschlechter.
Das wahre Eden ist im Menschen. Jene, welche der Mensch um sich pflanzt, sind anderer Art. Sie sind die Blüthe hoher Kultur, und nur bei den gesittetesten Völkern sind sie zu finden. Der Mensch muß in der Erkenntniß der Natur und ihrer Gaben und Kräfte sehr weit vorgeschritten seyn, bevor er zum Nothwendigen und Nützlichen das Schöne gesellt, von dem Bedürfniß zum Angenehmen übergeht und die heiteren Regeln der Kunst auch auf die Gestaltung der sie umgebenden Landschaft anwendet. Er sucht dann die auf weiten Länderstrecken zerstreuten Schönheiten der Natur dichter zusammen zu drängen, schafft Gärten, paßt die bis dahin nur ihren eigenen Regeln gehorchende Natur den Anordnungen seines geläuterten Geschmacks an, und so entsteht das, was wir Park nennen: – eine Vereinigung des Naturschönen im engern Raum.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 101. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/109&oldid=- (Version vom 28.4.2025)