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Jahr ein wimmelnd von Barken, Dampfern und Handelsschiffen, welche die Erzeugnisse des Landes mit den Waaren der Hauptstadt tauschen. Der Glanzpunkt ist Richmondhill mit seinem Schlößchen und seinen entzückenden Aussichten nach Windsor, Harrow, Hampton-Court, Twickenham, Petersham und den durch die unzähligen Villen der reichen Londoner und die sorgfältigste Kultur geschmückten näheren Umgebungen; – stromabwärts aber deutet eine schwarze Rauchwolke die Lage Londons an, des Babylons der neuen Zeit,

„Die Stadt der höchsten Tugend und der ärgsten Laster,
Voll Glück und Elend, Krösussen und Bettlern.“

Selten sieht man mehr als die Spitzen der 700 Thürme der Weltstadt wie Masten über das Dunstmeer ragen, und die Kuppel der Paulskirche mit ihrem leuchtenden Kreuze in ruhiger Majestät im Aether glänzen – ein Symbol des höhern, geistigen, ewigen Seyns über das qualmige Erdenleben der Tiefe.

Richmond-Schloß war lange Zeit ein Lieblingsaufenthalt englischer Könige bis herab zum dritten Wilhelm, der gewöhnlich die Lenzzeit hier in der lieblichsten und mildesten Natur genoß und dann einen Kreis der edelsten und geistreichsten Männer des Reichs um sich versammelt hielt. Thomson, der in Richmond seinen Frühling dichtete, starb und er schlummert auf dem Friedhofe unter Rosensträuchern. Der große Herschel baute dem Könige, seinem Zöglinge in der erhabensten aller Wissenschaften, hier ein Observatorium. Manche der wichtigsten Entdeckungen im Weltraume datiren von dieser Stelle, und der König, welcher am Tage die Kronenlast des Weltreichs getragen, diente in sternenheller Nacht dem großen Meister unverdrossen als Famulus. Noch in ältern Tagen, als alle Herrscherträume ausgeträumt und schon die bleiche Asphodilblume tiefer, unheilbarer Schwermuth in seiner Seele sproßte, war die Erinnerung an jene Richmondnächte dem greisen Könige eine Aufheiterung, und er sprach von ihnen oft, als wollte er seine innerlich erstorbene Welt wieder grün machen. Armer Wilhelm! Ich hab’ sie noch gesehen, diese gewaltige König Lear-Gestalt mit dem weißen Lockenhaupte, wie sie auf der Terrasse des Windsorschlosses auf- und abging, die großen blauen Augen stier auf dem Boden geheftet, wie ein Geist, der umgeht in einer Welt, der er nicht mehr angehört. Ihm hatte die ungeheuere Last die Sinne verwirrt, und in zwanzigjährigem Wahnsinn hatte er seine edle Seele als Sühne hingegeben für jene Schuld, die im Ursprung aller Alleinherrschaft wurzelt.

Der Rache-Engel, welcher Ludwig Philipp aus Frankreich trieb, machte diesen alten Herrn im vorigen Sommer zu einem Bewohner Richmonds, wo ihm Luft und Wasser besser zusagten, als in Claremont, das ihm sein Schwiegersohn, der Belgier-König Leopold, als Zufluchtsstätte eingeräumt hatte. Strom der Geschichte! wunderbar sind deine Windungen! Um der Bourbons willen schmiedet England den Titanen aus Korsika an den Felsen; dann gibt es