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Volke wie ein Schemen. Es war das eine Zeit furchtbarer Bewegung. Von innern Kämpfen zuckte das Weltreich, Mordbrenner wütheten in Rom, die Parteien zerfleischten sich, Proskription und Plünderung waren an der Tagesordnung, die Straßen schwammen vom Blut der Hingerichteten oder Erschlagenen. Grauenvolle Tage gingen über die Weltstadt hin und bei allem Glanze war kein Segen, kein Glück, kein Trost und keine Freude in Rom mehr zu finden. Gewichen war der Glaube an die Macht der Götter, Verachtung schlug ihre Altäre und ihre Priester, die Tempel wurden der Menschen Spott. In dieser sternlosen Nacht ging plötzlich ein neuer Lichtträger auf: Jesus Christus. Die milde und erhabene Lehre von einem ewigen Gott, welcher die Menschen liebt und mit Liebe richtet, von Unsterblichkeit und ewiger Vergeltung, floß in die Völkerherzen wie ein Strom des Balsams und des Trostes, und das Kreuz, von der Schädelstätte am Jordan hergetragen, wurde aufgerichtet auf dem Golgatha des alten Kultus. Es wurde ein Zeichen der Versöhnung der Menschen mit dem Himmel, das Zeichen einer neuen Zeit!

Lange vorher schon, ehe die Kaiser selbst sich zum Christenthum bekannten, war der Einfluß der Christuslehre im Weltreiche herrschend geworden. Der größere Theil der Gebildeten waren heimliche Christen. Christus Lehre war das Band, das die edelsten Menschen vom Pontus bis zu den Säulen des Herkules zusammenknüpfte, und unter ihrem Einfluß erlitt der Geist, welcher die römische Staatsordnung leitete, eine große Umwandlung. Dieser Wechsel war für die Nationen ein Wechsel des Segens.

Roms staatliche Macht stand damals auf dem Gipfel. Die Lust an Eroberung war gesättigt und das Christenthum verdammte den Länderdiebstahl. An die Stelle des Staatsprinzips Raub kam das Prinzip Erhaltung. – Die Fürsorge des Reichs richtete sich zunächst auf größere Sicherung der Grenzen; es entstanden jene ungeheueren, auf große Strecken fortgeführten Befestigungen in Schottland, Thracien, Asien und Deutschland, welche im Volksmund, wegen ihrer Größe, Werke des Teufels heißen. Da nun das Reich nach Außen gesichert war, konnte sich die Thätigkeit der Regierung für die Verbesserungen im Innern mit voller Kraft entfalten. Die mit dem Schwert überwundenen Völker, nunmehrige Insassen und Glieder des großen Staats, sollten aller Vortheile theilhaftig werden, welche ein Weltreich durch die Einheit der Macht, der Gesetze und der Verwaltung gewähren kann, sie sollten so mit dem stärksten Band, dem eigenen Interesse, an den Bestand des Reichs festgeknüpft werden, und dieser Wille bethätigte sich in jener großartigen Weise, welche sich in Allem zeigt, was Rom unternahm. Die römischen Heere, welche nicht zur Bewachung der Reichsgrenzen gebraucht wurden, erhielten an den Werken des öffentlichen Nutzens Beschäftigung; die Legionen mußten Straßen erbauen, Kanäle graben, Ströme austiefen zur Schiffahrt und Häfen anlegen für den Handel: – sie stählten ihre Kraft durch die harten Arbeiten des Friedens für die des Kriegs. Alles, was zur materiellen Wohlfahrt und zur geistigen Entwickelung der