Seite:Meyers Universum 13. Band 1848.djvu/126

Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
DXC. Sunderland, die Kohlenstadt,
an der Wear in England.




Im Weltraum geht kein Atom verloren. Nur die Formen sind wandelbar und diese Wandelbarkeit ist des Lebens Mutter. Die strahlenden Welten selbst sind nur zerbrechliche Formen, und wie es Zeiten gab, wo sie nicht da gewesen, so werden Zeiten kommen, wo sie vergangen sind wie die Blumen des vorigen Jahrs. Auch unsere kleine Erde – die Kugel, auf der der Mensch sich sorgt und müht um leeren Wahnes willen – war in ihrer jetzigen Gestalt einst nicht vorhanden. Ihr Bau ist das Werk vieler Tausende von Jahrtausenden, eines Zeitraums:

So unermeßlich, daß er nicht zu denken, –
Und doch im Schöpfungstag nur ein – Moment.“ –

Ein Embryonenleben hat alles Geschaffene. Auch die Weltkörper haben das ihrige. Das Fötusleben unserer Erde war nicht anders, als das, welches wir an den jüngern Welten wahrnehmen, die jetzt im Raume sich bewegen. Wie die Kometen, die durchsichtig und in Gasform mit langem Lichtschweif am Himmel wandern, so war auch unsere Erde einst ein dunstförmiger Körper, und undenkliche Zeiträume verstrichen, ehe sie sich verdichtete, entzündete und endlich, auf der Oberfläche erstarrend, sich in den engen Raum zusammenzog, den sie jetzt im Universum ausfüllt.

Zwischen jenem ersten Erstarren der feuerflüssigen Erdkugel, zwischen jenem ersten Bilden der Schlackenrinde derselben und der neuesten Erdschichten liegt wieder ein großer Zeitraum. Wahrscheinlich umfaßt er viele Millionen Jahre, während welchen eine ununterbrochene Reihe von Entwickelungsprozessen vor sich ging, vom ersten Krystall an bis zum Menschen, dem Repräsentanten der höchsten Organismen. Erst mit seinem Erscheinen tritt das Erdleben in ein ruhigeres Stadium. In den Erdbeben sehen wir das letzte Zucken der Titanengewalt, die Vulkane, die Essen der Erdschmelze, erlöschen, bis auf eine verhältnißmäßig kleine Zahl; die geistigen Kräfte gewinnen die Oberhand über die irdischen.