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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Die Mannichfaltigkeit der Erdschichten fällt auch dem oberflächlichsten Beobachter auf. Bald erblickt er die starren Massen der Granite, Porphyre und alten Laven, bald Kalke, bald Sand, bald Schiefer, bald Thon, bald Mergellager; er bemerkt an allen diesen Gesteinen eine Menge Verschiedenheiten und Abarten; er findet manche Versteinerungen von Schaalthieren etc. und Pflanzen, denen er in andern Schichten nicht wieder begegnet. Schon diese oberflächliche Beobachtung, welche Jeder machen kann, führt darauf hin, daß ihre Bildung nicht gleichzeitig geschehen konnte und große Zeitabschnitte dazu gehörten, die verschiedenen Erdrinden, von denen jene Gesteine die Ueberbleibsel, die Ruinen sind, zu machen und wieder zu zerstören, und welch großen Naturkräfte dabei wirksam gewesen seyn müssen, ganze Schöpfungen der Thier- und Pflanzenwelt zu vertilgen und andere an ihre Stelle zu rufen. Und doch, wie wenig ist ist’s, was wir von der Masse des Erdkörpers wirklich kennen! Unser Wissen ist nirgends tiefer als 4000 Fuß in die Erdkruste gedrungen, was sich zum Erdhalbmesser verhält, wie der zehnte Theil der Dicke der zerbrechlichen Schale eines Hühnereis zu der Dicke des Ei’s selbst. Wir haben auch keine Hoffnung, jemals viel tiefer mit unsern Forschungen einzudringen; denn selbst der Erdbohrer würde schon bei 8000 Fuß kochendes Wasser treffen, mit 120,000 Fuß aber würde die starre Erdrinde ganz durchbrochen seyn, weil in dieser Tiefe die Erdwärme (welche mit 100 Fuß um je einen Grad zunimmt) 1200 Grad Reaumur ist und bei dieser die strengflüssigsten Gesteine schmelzen. Der Kern der Erde selbst besteht aus Metallen im Zustande der Schmelzung. Es ist dies keine Hypothese; denn das spezifische Gewicht des Erdkerns berechnet sich gerade so hoch, als das Durchschnittsgewicht der Metalle. Sie werden den Erdkern in konzentrischen Kreisen umgeben und die schwersten, Gold und Platina, die Mitte ausfüllen. Alles Vorkommen der letztern auf der Erde hat jene unergründbare Tiefen zur Geburtsstätte. In der Frühzeit, als Erdbeben fort und fort die dünne Umhüllung sprengten, da konnte es wohl kommen, daß zuweilen etwas von den schwersten Metallen mit emporgerissen wurde, und bei der spätern Zerstörung der Erdrinden unter der Mitwirkung des Wassers sammelte sich das goldhaltige Gerölle in Niederungen, Thälern und Schluchten. So sind die meisten Goldsandlager im Ural, am Altai, in Südamerika, in Afrika, in Kalifornien entstanden.
So lange die Erdoberfläche eine sehr hohe Temperatur besaß, konnte auch kein Wasser auf derselben seyn. Sie war eine glühende Schlacke. Erst nach bedeutender Abkühlung war die Bildung des Wassers möglich. Kochend umrauschte es die Erde, stieg schnell in Dämpfen empor, verdichtete sich und stürzte unter Donner und Blitz in Strömen wieder zur Erde nieder. Wie nun die Abkühlung der Erdschaale wuchs, nahm auch die Temperatur der Gewässer ab, der Turnus von Verdampfung und Verdichtung wurde langsamer, die großen Wassermassen, welche nun die ganze Erdkugel umgaben, übten Druck auf die dünne Erdrinde. Die eingeschlossenen
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 121. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/129&oldid=- (Version vom 29.4.2025)