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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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ihre Nahrung, wir unterhalten unsere Schmieden, unsere Schmelzöfen, und die Maschinen, welche der Industrie die bewegende Kraft leihen, mit den Ueberbleibseln von Pflanzen, deren Geschlechter und Formen Fremdlinge sind auf der heutigen Erde. Ohne Steinkohlen würde der Holzmangel halb Europa zur Wüste machen. Und unsere Schneidinstrumente, die Werkzeuge unserer Mechanik, unsere Eisenwege bestehen größtentheils aus dem Erze, das eben so alt, als der Brennstoff ist, mittelst dessen man es zu Metall reduziren und nutzbar machen kann für tausenderlei Gebrauch und Bedürfniß. – Die Gold-, Silber- und Edelsteingruben der ganzen Erde haben nicht den hundertsten Theil so viel dazu beigetragen, um den Reichthum zu vermehren, die Bequemlichkeit des Lebens zu erhöhen und den Zustand des Menschen glückseliger zu machen, als jene Magazine für die Reste der ersten Pflanzenwelt und den Eisenschlamm, welcher den Grund der Ströme und Seen bedeckt hat zu einer Zeit, „da kein Name war auf Erden und keine Stimme, denn allein der Donner der Erdbeben, der Fluthen und Gewitter.“ –
Vor allen andern Ländern ist – England mit jenen Schätzen überschwenglich gesegnet. Fünf Prozent seines ganzen Areals besteht aus bauwürdigem Kohlenlande, während in Frankreich das Verhältniß nur ½ Prozent, in Belgien 4 Prozent, in Deutschland ¾ Prozent ist. Die größten britischen Kohlenfelder sind die von New-Castle (100 geogr. Quadratmeilen), Schottland (Glasgow) von fast gleicher Größe; Derby und Wales, jenes 60, dieses 50 Geviertmeilen groß. Bloß das New-Castler Kohlenbecken könnte Englands unermeßliche Kohlenkonsumtion (800 Millionen Zentner jährlich) für noch 2000 Jahre versorgen. Dieses Lager repräsentirt eine Holzmenge von 160,000 Millionen Klafter und, die Tonne Kohlen nur zu 5 Schilling gerechnet, den Werth von 20,000 Millionen Pfund Sterling, was dreimal so viel ist, als das ganze steuerbare Vermögen Großbritanniens zusammen. Die Wälder von Europa, wenn man sie abtreiben und verkohlen würde, würden höchstens ¾ des Kohlenquantums erzeugen, welche jene einzige Partie des britischen Steinkohlenschatzes enthält. Ohne seine Kohlengruben hätte sich Großbritannien nie zur Weltmacht erhoben, es wäre nie zur Werkstätte geworden für alle Länder. Nur der Kohlenschatz gibt seiner Industrie jene Uebergewalt, gegen welche keine andere aufkommen kann ohne Schutz, und die zinspflichtig macht alle Nationen der Erde.
Das New-Castler Kohlenfeld findet in den Thälern der Tyne und der Wear die Zentralpunkte seiner Ausbeutung. Die Mächtigkeit der Schieferthon- und Sandsteinschichten, in welchen nicht weniger als 32 Steinkohlenflötze eingebettet sind, beträgt etwa 400 Fuß. 16,000 Bergleute sind mit der Gewinnung und Förderung der Kohlen unter der Erde beschäftigt, 6000 Arbeiter über Tage mit dem Transport, Sortiren und Verkoaken; die Bemannung der Kohlenschiffe übersteigt 16,000, der Bootsleute, Handlanger etc. auf den Werften und Ladeplätzen sind über 2500, Agenten, Kommissionäre und Beamte über 1500, der für die Gruben beschäftigten Seiler,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 124. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/132&oldid=- (Version vom 30.4.2025)