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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Schmiede, Maschinen- und Schiffsbauer über 15,000, und mit allen Hülfsarbeitern berechnet sich die Zahl der durch die Kohlengruben an der Wear und Tyne beschäftigten Menschen überhaupt auf mehr als 100,000.
Der jährliche Ertrag aus diesem Kohlenlager wird auf nicht weniger als 6 Millionen Tonnen oder 120 Millionen Zentner berechnet. Nicht ganz eine Million Tonnen gehen davon in’s Ausland, größtentheils nach Deutschland, das die Schmach nicht fühlt, jährlich 2 Millionen Gulden für britische Steinkohlen zu bezahlen, obschon es selbst so großen Kohlenreichthum besitzt und seine Arbeiterbevölkerung die bitterste Noth leidet.
Während New-Castle fast den gesammten Handel mit dem Auslande in Händen hat, besitzt Sunderland hauptsächlich das Kohlenlieferungsgeschäft zur Versorgung Londons, und 700 größere Seeschiffe dienen ausschließlich dem Zweck, Kohlen in Sunderland zu laden und nach der Themse zu transportiren. Der Verbrauch von Sunderlandskohlen in der Hauptstadt ist auf das kaum glaubliche Quantum von 2½ Millionen Tons (45 Millionen Zentner) angewachsen und der Gesammtverbrauch Londons auf 2¼ Mill. Chaldrons im Werthe von 2⅓ Millionen Pfund Sterl. oder 54 Millionen Gulden. 11,000 Schiffsladungen Kohlen kommen jährlich in London an. Der Kohlenträgerlohn vom Schiff bis in das Haus des Konsumenten beträgt nicht weniger als 130,000 Pfund oder 1½ Million Gulden und an städtischen Abgaben bezieht der Londoner Magistrat jährlich eine Reinrevenue von 145,000 Pfund oder 1¾ Million Gulden. Dies eine Geschäft Londons wiegt den ganzen Export und Import Bremens auf, und doch ist die Waare dem Preise nach die geringste: Steinkohle.
Sunderland aber ist durch den Kohlenhandel reich geworden und die schwarzberäucherte Stadt, welche sich auf den hohen Felsufern der Wear wohl eine halbe Stunde lang hinstreckt, zählt unter dem anspruchlosen Titel „Kohlenhändler“ Manchen, der viele Millionen besitzt. Die ganze Bevölkerung ist auf irgend eine Weise im Kohlengeschäft betheiligt; es ist die Seele des städtischen Lebens und alle Thätigkeiten gehen in demselben auf, oder werden durch dasselbe bedingt. Das ganze Thal der Wear, mehre Stunden aufwärts, ist eine Kette von Kohlenschächten, Maschinenhäusern und Bergmannshütten. In die Stadt selbst münden die Förderungsstollen und Schächte von mehren Gruben, was die Bequemlichkeit gewährt, daß die Fördergefäße unmittelbar in die unten im Strome liegenden Schiffe entleert werden können, wodurch viele Kosten und Arbeit erspart werden. Unser Stahlstich macht die sinnreiche Weise, die Schiffe zu beladen, deutlich. – Uferwände und beide Stadttheile verbinden Kettenbrücken unter einander. Ihre Bahnen sind so hoch über dem Wasserspiegel gelegt, daß überall die Schiffe mit stehenden Masten unter ihnen passiren können und sie der Schiffahrt nirgends ein Hemmniß bereiten. – Sunderland ist alt. Es bekam schon im zwölften Jahrhundert Hafen- und Stadtrechte, jedoch Bedeutung erst dann, als der Steinkohlenverbrauch zunahm und in Sunderland sich der Kohlenexport nach London
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 125. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/133&oldid=- (Version vom 30.4.2025)