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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Kreuz geschlagene Völkermessias, – Christus, der von Gott gesandte Freiheitsapostel, soll im Staate der Volkshoheit der Logos seyn, das ordnende Prinzip, welches von der Höhe herab ebnen, Maß geben und regeln soll die Bewegung der Massen, welche naturgemäß zur Anarchie hinstrebt. – Er, Christus, verleihe der Volkshoheit die religiöse, versöhnende Weihe! Darum noch einmal: „Werdet Christen, wenn ihr frei seyn wollt!“
Ein Doppelruf geht jetzt durch die zivilisirte Welt. Die Einen erheben ihre Stimme für Einheit, die Anderen für Freiheit. Die Einen pochen auf ihren Wahlspruch: Keine Freiheit ohne Einheit! – die Andern auf den ihrigen: Keine Einheit ohne Freiheit! – Die Einen wollen – oder geben vor, zu wollen – durch Einheit zur Freiheit gelangen; die Andern behaupten: An die Freiheit schließt sich von selbst die Einheit an.
Dieser Kampf hat nicht bloß ein Volk ergriffen, er durchzuckt die drei Hauptstämme der europäischen Menschheit, Germanen, Romanen und Slaven. Der Panslavismus ist aus der Literatur herausgetreten. Er steht als ein Riese mit aller Kraft der Jugendlichkeit vor dem alterschwachen Westen. Der Romanismus strebt einem Ganzen zu, und die Stämme der deutschen Nation haben mit dem Schwerte das Wort ergriffen und aus dem Worte die schärfste Waffe der Volksfreiheit geschmiedet.
Jeder dieser Hauptstämme hat sein Ziel. Die slavischen Stämme ringen nach Einheit, sie streben dem Knotenbündel der kaiserlichen Knute zu, sie wollen eine Krone auf dem Haupte der vielzüngigen Slavia. – Die Italiener trachten nach Freiheit; Selbstständigkeit steht auf ihren Fahnen, während das einheitbringende Herrscherhaupt noch kein Gegenstand ihrer Sorgen ist. Und Deutschland? Da stehen zwei streng geschiedene Gruppen. Die kleinere, die Trias (Adel, Beamtenthum und Besitz), hält den alten, zerlumpten Fetzen des neu ausgeflickten Kaisermantels und die alte, so oft geschändete Krone empor, – die andere, das Volk in Masse, den schmucklosen Bürgerhut. Die große Mehrheit der deutschen Nation – sie will Einheit durch Freiheit. Kein Minderes stellt sie zufrieden.
Italiener und Deutsche liegen an einer Krankheit darnieder; aber sie unterliegen ihr nicht. Zerrissen sind sie seit Jahrhunderten, sie bildeten nur ein von der Noth zusammengeklammertes Ganze. Krant sah es aus – aber jedes einzelne Glied war doch gut, war kräftig, war kerngesund. Beide Länder tragen die Keime der Volksgröße in sich, beide erkennen die Individualität der Volksstämme, wie das Ehren und Grundrecht der geringsten Gemeinde, an, sie wollen nur aus der Verbindung des Rechts mit der Freiheit den Staat gründen;
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 130. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/138&oldid=- (Version vom 30.4.2025)