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nicht umgekehrt, wie das unglückliche Frankreich! Die Zusammenschnürung der Nationalkraft auf einen Knoten, die Zentralisation, welche Frankreich für Augenblicke stark und für die Dauer schwach gemacht hat, wird von den gesunden Gliedern der germanischen wie der italienischen Staatskette zurückgewiesen. Runzelt sich doch das dünne Lumpenpapier unserer Parlamentsdebatten selbst vor Lachen über die unsterbliche Notiz, daß die große deutsche Nation von 45 Millionen durch eine Majorität von 9 Menschen, deren Redlichkeit und Gesinnung sich nie anders als dadurch äußerte, zu jedem volks- und freiheitsfeindlichen Antrag Ja zu sagen, einen Kaiser auf einen siebenunddreißigbeinigen Stuhl setzen will!! Solche Reichs-Hanswurstenstreiche sollten die Herren in Frankfurt bleiben lassen. Sie passen nicht in diese ernste Zeit. –

Italien und Deutschland erleiden das gleiche Schicksal. Eine der Ursachen desselben ist ihre Lage. Deutschland liegt im Herzen Europa’s, jenes im Herzen der alten Welt. Dadurch sind sie zwar einmal zu Weltreichen geworden, aber auch zu Märkten, zum Forum, zum Circus für alle Nachbarvölker.

Kein Fleckchen der Erde hat jedoch ein strengeres Geschick gehabt, als der Garten des Mittelmeers, das ewig blühende Sizilien. Aus den grauen Tagen der Mythe geht sein bleicher Stern auf und ist erst in der neuesten Zeit zu einem hellen Glanz gekommen. Alle Völker, welche die drei Erdtheile der alten Welt durch Anker und Schwert zusammenführte, haben eine Zeit lang ihren Herrscherthron auf die Lava des Aetna gebaut; keines kam zu dauernder Herrschaft, aber – Sizilien ist auch nie zu sich selbst gekommen. Gehetzt, so weit das Auge der Geschichte reicht, von den Männern des Sikulus, von Kretern, Phocensen, ausgebeutet von Phöniziern, Karthagern, Griechen, mit dem Schwert regiert von Römern, Vandalen, Gothen und Sarazenen, mit Blut bedeckt von Normannen und Deutschen, von Franzosen und Spaniern, war es endlich ein päpstliches Erblehn und ein Zankapfel geworden zwischen den beiden Hauptgewalten der mittelalterlichen Christenheit. Wie Irland hat die unglückliche Insel sich zuletzt fremden Dynastenstämmen unterwerfen müssen, und es hat mit Herrschern gewechselt, wie eben die Laune des Schicksals die Herrscher durcheinander warf. Es war savonisch, österreichisch, spanisch und neapolitanisch in wenigen Jahren und es würde an der bourbonischen Pest verschieden seyn, wenn nicht der Sturmwind unserer Tage auch dort frische Luft in’s Staatsleben gebracht hätte.

Sizilien ist endlich losgerissen von der Hemmkette des italienischen Kontinents und athmet wieder auf. Sein Volk offenbart eine Kraft, die man im italienischen Stamme längst untergegangen glaubte. Nach dem ersten Erwachen aus dem langen schweren Traum flimmerte ihm zwar noch der Glanz einer Fürstenkrone vor Augen: es war schlaftrunken. Jetzt wird ihm jedoch der Blick von Tag zu Tag heller; es erkennt im Hut des freien Bürgers die höchste Krone der Völker.