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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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ist so wesentlich mit der Entwickelung des britischen Staats- und Volkslebens der neuesten Zeit verflochten, daß, wollten wir es darstellen, wir eine Geschichte Englands schreiben müßten. Wir wollen und hier mit einem Ueberblick der Hauptrichtungen seiner staatsmännischen Thätigkeit begnügen.
Broughams erstes Wort von Britanniens Tribüne galt der Reinigung der Ehre der Menschheit: er erzwang durch seinen siegreichen Vortrag die Aufhebung des Sklavenhandels. Dies geschah 1811. Im folgenden Jahre setzte er seinen 1807 begonnenen Kampf gegen die das Volksrecht mit Füßen tretende Regierungsmaßregel, welche alle Meere den neutralen Mächten verschloß, im Unterhause fort und ging als Sieger gegen das Toryministerium daraus hervor. Doch gelang es seinen mächtigen Feinden bei der neuen Parlamentswahl von 1813, den gefürchteten Mann vom Volksrathe in St. Stephens auszuschließen. Er war Kandidat von Liverpool. Der große Canning, sein Rival, gewann die Wahlschlacht.
Indessen kam er aber 1815 doch wieder in’s Parlament. Es war eine Zeit, die solche Männer brauchte; denn damals trug die Reaktionspartei, von den Ereignissen begünstigt, das Haupt höher, als je: Castlereagh, der Mann des heiligen Bundes zur Vernichtung der Freiheit und zur Unterjochung der Völker, regierte das Weltreich. Wie ein St. Georg, so stark und so muthig, warf sich Brougham auf zum Bekämpfer des Drachen, dessen Schlangenleib in tausendfachen Windungen die Völker zwängte. Seine Diatriben, die nichts schonten, brachten gegen jene fluchbeladene Verbindung der Könige einen solchen Umschlag in der öffentlichen Meinung hervor, daß die Regierung es nicht mehr wagen durfte, tiefer in die Pläne der gekrönten Volksverräther einzugehen, sondern sie vielmehr genöthigt wurde, ihnen entgegen zu treten und sie in engere Schranken zu verweisen. Sodann machte er seinen berühmten Antrag auf Verbesserung der Volkserziehung. Damit griff er das Heiligthum der Unterdrückung an. Der Streit war furchtbar. Die stärksten Pfeile seiner von ganz Europa bewunderten Reden prallten ab an der harten Stirn der Feinde aller vernünftigen Nationalentwickelung und an der starren Rinde geistlicher und weltlicher Privatinteressen. Broughams Antrag wurde nach dem hartnäckigsten Redekampfe, der je gefochten wurde, im Parlamente zurückgewiesen. Nun schlug Brougham wieder den alten langsamen, sichern Weg zu seinem Ziele ein: – den des Unterrichts durch die Presse. Aller Hindernisse zum Trotz entstanden unter seiner und seiner Freunde Leitung im ganzen Reiche Kleinkinderschulen, Handwerkerschulen und unzählige Vereine für die Verbreitung tüchtiger Volksbildung. Eine ganze Literatur wurde zur Förderung dieser Zwecke in’s Daseyn gerufen und die ersten Männer der Wissenschaft stiegen zu Lehrern des Volks hinan. Brougham ging in Allem mit gutem Beispiel vor. Er rief unter Anderm jene illustrirten Pfennigmagazine in’s Leben, in denen die Resultate der Wissenschaften dem Volke in der faßlichsten Form und fast umsonst geboten wurden. Die erste Zeitschrift dieser Art gewann 200,000 Abonnenten. Er schlug die Gemeindebibliotheken
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 142. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/150&oldid=- (Version vom 30.4.2025)