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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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„Völker, die sich selbst befreit, finden ihren gefährlichsten Feind in der Großmuth,“ sagt Macchiavell, und Macchiavell ist der „Mund der Geschichte.“
Wie hat nun das österreichische Kabinet jene Großmuth gelohnt? Die Welt weiß es; jedes Zeitungsblatt seit einem Jahre verkündet’s und erinnert und an Dantons schreckliches, die Monarchie verdammendes Wort: „Mit der Hölle ist kein Auskommen!“ Benn dies Wort jetzt im Staate Oesterreich in Millionen Herzen widerhallt, die sonst nur von Liebe erwärmt waren für das angestammte Fürstenhaus, wenn es ein Echo findet da, wo ehedem nur die Treue und die Hingebung einander die Hände reichten: – wer hat’s verschuldet? „Wer Blut säet, wird Blut ärndten.“ Denkt daran, ihr Säeleute, in der Stunde, wo Gott die Urne umkehrt, Richter als Angeklagte vor seinen Assisen stehen und die Volksrache ihr Recht begehrt. – –
Seit jenem Tage, da Oesterreichs Kabinet dem Geiste der Zeit, statt ihm aufrichtig zu huldigen und in seinem Sinne den Neubau des Reichs zum Glück der Völker zu bewerkstelligen, nur das alte Schalksgesicht wies und bloß nachgab, um Zeit zu gewinnen, Kraft zu sammeln und Gelegenheit zu erlauern, den Völkern neue Ketten anzulegen: seit jenem Tage hat es den bittersten Haß gegen die umbildende Zeit genährt. Habsburg, dem vom Schicksal Beruf und Macht geboten worden war, an die Spitze der demokratischen Monarchie in Europa zu treten, die belebenden Funken der bürgerlichen Freiheit in die vom eisigen Despotismus erstarrten Massen der Slavenvölker zu werfen, und so, ohne nur ein Schwert zu ziehen, Europa und die Zivilisation vom Lindwurm russischer Weltherrschaft zu befreien und den aus sechzig Nationalitäten mit Blut, Furcht und Gewalt zusammengekneteten Koloß in seinen Bestandtheilen aufzulösen; Habsburg, welches die Mission übernehmen sollte, durch das Geschenk der Freiheit und der Gesittung die slavischen den germanischen Stämmen auf das Innigste zu befreunden und beide Nationen zu Brüdern zu machen, hat diese hohe, ihm vom Schicksal angewiesene Bestimmung gänzlich verkannt. Dadurch, daß die Idee der Völkerfreiheit in ihm nie Eingang gefunden, hat es seine soziale Bedeutung in Deutschland und in Europa eingebüßt und damit zugleich seine politische Größe untergraben; ja, durch das Verkennen der Macht und der Bedürfnisse des Zeitgeistes und durch sein hartnäckiges Bekämpfen desselben ist es dahin gekommen, daß der Herrscherstamm keine Wurzel mehr hat in der Zeit, daß er ausgerissen ist aus dem Herzen der Völker, und die stärksten Sympathien für ihn erloschen sind, die Gewähr geben könnten für seinen Bestand in die Zukunft. Unheilbar ist alles im Kaiserreiche geworden; es ist Alles verschoben, verrückt und aus den Fugen. Jede Konzession, weil mit gerechtem Mißtrauen und folglich ohne Dank empfangen, bleibt ohne Frucht, und so sehen wir ein Oesterreich, das, in seiner neuesten, durch einen Staatsstreich eingeführten Verfassung, wie ein wesenloser Schatten sich ausnimmt und mehr als eine diplomatische Fiktion in die Welt tritt, denn als eine reale Erscheinung; wir sehen ein Oesterreich, in
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 149. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/157&oldid=- (Version vom 30.4.2025)