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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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dem der Deutsche sein Vaterland so wenig findet, wie der Ungar, der Slave, der Czeche, der Pole, der Italiener; ein Oesterreich, dessen Scheinverfassung in den Thatsachen ihre Gegensätze zeigt; ein Oesterreich, in dem die Freiheit der Regierungswillkür als Magd dient, und in dem kein Staatsrecht gilt, als das Naturrecht der Stärke und der Gewalt; ein Oesterreich, in welchem man, während auf einem Fetzen Papier Garantien des freien Bürgerthums gegeben werden, Menschenrecht und Menschenwürde mit Füßen tritt; ein Oesterreich, in welchem die Nationalitäten aufgestachelt werden zu unnatürlichem, tödtlichem Haß wider einander und dann dressirt zum Dienst der Arena, wie die Bestien zur römischen Kaiserzeit, um einander zu zerfleischen; ein Oesterreich, in welchem man die betrogenen mißhandelten Völker wie Heerden hetzt und schlachtet; ein Oesterreich mit Provinzen, in welchen der Schrecken des Belagerungszustandes permanent ist; ein Oesterreich, wo die Soldateska die Gerechtigkeit als Standrecht handhabt, und zum Hohn des heiligsten Fürstenrechts zum Strang Verurtheilte mit „Pulver und Blei“ begnadigt; ein Oesterreich, das den Kommunismus im Großen treibt durch Brandschatzung, Kriegssteuer, Vermögenskonfiskation und Papiergeld; ein Oesterreich, wo man die Hochschulen schließt, und ihren Schmuck, die berühmten Träger der Wissenschaft, durch Füsiladen stumm macht, oder in Kasematten begräbt; ein Oesterreich, in welchem man mit tiberianischer Grausamkeit die hochsinnigste, freiheitsstolzeste Nation des Reichs, die Nation, deren Arme die Dynastie und den Staat mehrmals gerettet haben, mit fünf Heeren zu Tode zu jagen sich vorsetzt, sofern sie sich nicht dem Joch fügen will; ein Oesterreich, welches jeden Widerstand gegen Unterdrückung mit Feuer und Schwert straft in der Manier des Attila, und die Bevölkerungen ganzer Länder der Plünderung und der Willkür roher Soldatenhorden überläßt ohne Mitleid; ein Oesterreich, das man nur zu nennen braucht, um den Groll gegen seine Peiniger in jeder menschlich fühlenden Seele zu wecken; ein Oesterreich, wo, um es mit einem Worte zu sagen, die „rothe Monarchie“ ihren Wohnsitz aufgeschlagen hat, ein Scheusal, das dann um so verabscheuungswürdiger erscheint, wenn es den Mantel des Konstitutionalismus um seine Teufelsgestalt schlägt. Ein Zustand aber, wie dieser, kann nicht dauern, und ein Regierungssystem, wie dieses, ist um so sicherer dem Untergang geweiht, wenn es, wie in Oesterreich, schon so tief gesunken ist, daß es zum Vernichtungs- und Unterdrückungsgeschäft gegen die Völker den gefährlichsten der Nachbarn zu Hülfe nehmen muß. Bis dahin wird, unbekümmert um die Lüge der oktroirten Verfassung, die Willkür der Tyrannei fortführen ihren Kampf mit der Anarchie, bis entweder jene siegt mit dem Schwerte und der Brandfackel, oder sie in diesem Kampfe untergeht. In jenem Fall mag das jetzige Regiment Oesterreichs vielleicht noch kurze Zeit bestehen; bricht es aber zusammen in diesen Stürmen, dann wird auch die Zeit nicht ausbleiben, wo aus der Mitte der Anarchie der Retter ersteht, ein Gemeingeist mit Macht, der die Ordnung herstellt und auf dem Fundamente der Volksherrlichkeit, auf den Säulen der Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Redlichkeit und Sparsamkeit, des Reiches Neubau aufführt zum Glück Aller, die darinnen wohnen.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 150. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/158&oldid=- (Version vom 30.4.2025)