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Dort im fernen Ungarlande, wo ein braves Volk den heldenmüthigen Kampf mit Unterdrückung und Verrath unerschrocken schlägt und entschlossen durchstreiten wird, bis es untergeht oder jene überwältigt, – dort, wo um einen Arm des Bakonywaldgebirgs die Donau in weitem Bogen ihre Wogen wälzt, unfern von der Stadt Gran, ragt auf dem Gipfel eines bewaldeten Bergkegels die Ruine, bei deren Namen das Herz des Magyaren höher schlägt und sein Auge von innerm Feuer leuchtet. Vicegrad (Wissegrad) ist das aufgeschlagene Buch seiner Geschichte, seines Ruhms, seiner Herrlichkeit und feines Wehs. Dort oben wohnten und thronten die Könige Ungarns seit der Eroberung im neunten Jahrhundert, bis der Türke Land und Volk in’s eiserne Joch schlug. Sultan Suleiman nahm Vicegrad 1520 zum ersten Mal. Mehrmals ward es nachher bald ungarischer, bald türkischer Siege Preis. Bei der letzten Erstürmung durch Leopold von Oesterreich ging es in Flammen auf, und seitdem schmückt die Burg – „der magyarischen Heldensage graue Wiege“ – als Ruine die prächtige Landschaft.

Was Kaiser Leopold begann, haben seine Nachfolger in Ungarn beharrlich fortgesetzt. Oesterreich ist nicht müde geworden, die Idee zu verfolgen, Ungarn, wie Italien, durch List und Gewalt sich dienstbar zu machen und die Bande immer enger zu ziehen, durch welche es beide Länder an sich fesselte. Die Türkenkriege begünstigten diese Absicht, und mit wenigen Unterbrechungen hat in Ungarn das Kriegsgetümmel fortgedauert, welches das Land mit Brand, Raub und Blut gefüllt, seine Lebenskraft zerrüttet und seine Säfte verdorben hat. Mit kunstreicher Hand leitete Oesterreich das Werk schlauer Unterdrückung durch viele Jahrzehnte, bis endlich, als die letzte Vollendung nahete, die Zeiten umschlugen und im vorigen Frühling das langjährige Werk der verschlagenen Weltklugheit ein Mann in einem Tage zerstörte. Dieser Mann war Kossuth – der einzige Charakter in Europa, der so groß ist als die große Zeit: der Einzige auch, der ein Volk zu revolutioniren, dauernd zu begeistern und beharrlich – unter den größten Opfern – zu hohen Zielen mit fester Hand zu leiten weiß.

Kossuth ist der Genius von Ungarns Freiheit. Schützend und rettend führt er sein Volk durch Schlachten und Siege zur vollen Selbstständigkeit. Und nach überstandenen Drangsalen und Leiden ohne Zahl, das gerettete Volksleben auf Jahrhunderte befestigend, wird er der Nation gewiß ein glückliches, gesichertes, ehrenvolles, unabhängiges Daseyn schaffen. Indem ihm dies gelingt, schleudert er aber zugleich den Erisapfel in den geschlossenen Kreis der Fürsten, und andern Völkern, zunächst Polen, Deutschen und Italienern, verleiht er neuen Muth und neue Kraft zur Revolution, deren Verlauf nicht eher endigen wird, als bis sie den Sturz der Monarchie in ganz Mitteleuropa herbeigeführt hat. Laßt Kossuth eine einzige entscheidende Schlacht gewinnen, und die furchtbare Gewalt seines Beispiels auf entgegenstehende Verhältnisse wird sich in einem Maßstabe äußern, dessen Größe wir jetzt kaum denken können. Dann erbleichen die Kronen ihres Glanzes und Kossuth, als Heros der Freiheit und der Erlösung der Völker, geht durch die Zeiten in Herrlichkeit.