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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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– – in Deutschland, wollte ich schreiben, aber die Feder verweigerte den Zug. Warum denn? Haben plutonische Kräfte die Erdrinde gespalten, die deutschen Länder in Stücke zerrissen und die Volksfetzen aus einander geschleudert? Ist Deutschland in Trümmer gegangen? Ist die Gesellschaft in’s Chaos zurückgeworfen? War es eine Fiktion, daß eine deutsche Nation bestanden? Sind wir hinabgesunken in den Naturzustand, welcher das Dagewesene verleugnet und keine frühere Uebereinkunft mehr anerkennt? Ist das große Volk der Germanen, welches als Träger der neuern Kultur auf dem Kothurn durch das Jahrtausend schreitet, in fauler Zersetzung begriffen? Zwingt die Auflösung die Atome zur Trennung und zum Eingehen in neue Krystallisationen? Oder hat der zürnende Jehova seine Blitze auf die deutsche Eiche geschleudert und die Aeste von dem Stamme geschlagen? Nichts von alle Dem! Nicht titanische Gewalten haben die deutsche Erde zerrissen; nicht das Feuer des Himmels hat den deutschen Völkerstamm zerbrochen: – nein, Männer, sonst hochgehalten, sind auf das Katheder der Paulskirche gestiegen und verkündigen:
„Der Bürgerhut taugt nicht für’s deutsche Volk,
Die schwere Kaiserkrone muß es tragen!“
- Und auf die Gefahr hin, daß Das, was Eins war und zusammengewachsen seit zwei Jahrtausenden, fortan gespalten sey, und du, großes, deutsches Volk von 45 Millionen, verblutest unter dem Kaiserschnitt, wird der Erbkaiser der Deutschen zur Welt gebracht.
Tiefe Ironie des Schicksals! Die Glocken, mit welchen man am 28. März vom Thurme des alten Kaiserdoms die Frankfurter Todtgeburt als eine lebende dem Volke verkündete, haben den zweiten Akt der deutschen Revolution eingeläutet. Daran hat keiner gedacht von Denen, welche die Läuter bestellt haben!
O ihr Verblendeten! Zu glauben, Friedrich Wilhelm IV., der Mann, an dem die ewige Gerechtigkeit schon einmal ihr Gericht geübt hat, der Mann, der am 19. März vor einem Jahre öffentlich Buße that vor dem Volke, wie Kaiser Heinrich IV. vor Gregor VII., der Mann, welcher, auf dem Balkon seines Schlosses stehend,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 161. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/169&oldid=- (Version vom 5.5.2025)