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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Wird sie, die von ihren mächtigsten Fürsten mit Füßen getretene, zurückkehren zu ihrem Ursprung und da Hülfe suchen, wo sie ihr niemals verweigert worden wäre? Wird sie, endlich sehend geworden nach so langer Verblendung, die Größe jetzigen Moments erkennen und einsehen, daß er gewaltige Entschlüsse und Thaten und ein sofortiges machtvolles Eingreifen in das Triebwerk der Arglist, ein rasches Zerreißen der Netze des Verraths gebieterisch fordert? Wird sie, ihres Irrthums klar, der Nation sich in die Arme werfen, und unauflöslich mit ihr vereint jetzt, in letzter Stunde, dem geschlossenen Phalanx der Könige gegenüber aussprechen das entscheidende Wort: Feststehend auf dem Rechtsboden der Revolution, durch welche die deutsche Nation die Selbstherrlichkeit sich errungen, und kraft der von ihr uns übertragenen Machtvollkommenheit brandmarken wir als Rebellion und Hochverrath jede Auflehnung gegen unsere gesetzlichen Beschlüsse, und erklären entthront und geächtet jeden deutschen Fürsten, der die von uns endgültig verkündigte Reichsverfassung nicht anerkennt, oder ihren Vollzug verweigert, und entlassen das Volk, das Heer und die Beamten solchen Hochverräthers aller geleisteten Eide der Treue und des Gehorsams.
Wenn der Rath der deutschen Nation in Frankfurt in dieser schweren Stunde[1] sich ermannen wird zu solcher Sprache, wenn den Männern der Paulskirche der Muth dazu heute in die Seele fährt, dann singe ihm Psalmen, mein Volk! denn dann ist deine Ehre, deine Freiheit, deine Größe, deine Herrlichkeit gewißlich gerettet! Dann – ja dann wollen auch wir, wir Millionen deutscher Männer, die wir den Gaukeleien, welche in Frankfurt getrieben wurden, mit Gram und Verachtung zugeschaut haben, Alles, was geschehen ist und alles Ueble, was man gethan hat in der unseligen Verblendung, zu vergessen trachten; dann stehen wir mit der Nationalversammlung wie Ein Wann, setzen Gut und Blut freudig für sie ein, mit ihr siegen wir, mit ihr fallen wir.
Und der Sieg – er würde uns dann gewiß nicht fehlen. Eine solche vereinte Masse von Muth, Licht, Recht, Kraft und Festigkeit könnte vom Standpunkt einer in ihren Grundfesten morschen und verrotteten Fürstengewalt, deren Arm die Faust der Nationalvertretung des Reichs bereits gelähmt hat, nimmer bezwungen werden. Ja, schon das entschlossene Aufheben dieser Faust wurde die Renitenten zum Gefühl ihrer Ohnmacht bringen und sie zur unbedingten Anerkennung und Durchführung unseres Verfassungswerks nöthigen. Stark sind die Fürsten nur dann, wenn die Paulskirche schwach und feig ist, und ein 18. Brümaire ist nur dann in Frankfurt möglich, wenn sich die Nationalversammlung selbst aufgibt in der entscheidenden Stunde.
In solchem Falle ist aber auch nichts an ihr verloren, dann mag sie mit Kolbenstößen und Fußtritten heimgeschickt werden, bedeckt mit Schimpf und Schmach, beladen mit dem Fluche der verrathenen Nation, begleitet vom Hohngelächter der Welt füllend in der deutschen Geschichte das schlechteste Blatt: – ein Blatt ihrer ewigen Schande.
- ↑ Geschrieben am 11. April.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 163. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/171&oldid=- (Version vom 5.5.2025)