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Vom östlichen Gehänge des Böhmerwalds windet sich der Teplbach durch eine tiefe Furche des Granitgebirgs zum Thal der Eger. Im Sommer wasserarm, wie alle Gebirgsbäche, schwillt er im Frühjahr, wenn die geschmolzenen Schneemassen in tausend Rinnsalen sein Bett suchen, oder die Gewitter ihre Fluthen von dem Gebirge wälzen, zu einem reißenden Strome an, der nicht selten Verheerungen anrichtet und das ganze Egerthal unter Wasser setzt. Nahe bei seiner Einmündung in die Eger, wo das Flüßchen zwischen hohen Ufern und steilen Felswänden in einem weiten Bogen um ein Vorgebirge rauscht, liegt der berühmteste der deutschen Kurorte, – Karlsbad, die Sehnsucht und das Ziel der Leidenden, der Ort, wo jährlich Tausende Genesung sich holen, oder Linderung ihres Wehes, oder ein legtes, stilles Ruheplätzchen der Erlösung finden. Auch mir ging an deinen Quellen die welke Blume der Hoffnung von Neuem auf – und in der Genesung eines edeln Weibes lehrtest du mich die Fülle des Erbarmens kennen, die für den Bedrängten in tiefer Lebensnoth bei der Allmacht wohnt. Darum sey mir dein Name, Karlsbad, für immerdar gepriesen! –

Karlsbad ist halb ländlichen, halb städtischen Ansehens. Dies geht aus seiner eigenthümlichen Lage hervor. An vielen Stellen ist die Thalwand, an welche sich die Häuser der Hauptstraße lehnen, so steil, daß die Giebel die Felsen berühren, und die Breite des Thalbodens verschmälert sich an manchen Stellen bis zu 130 Fuß. Am engsten ist der Grund bei der „obern Wiese“, wo das Flüßchen sich zwischen thurmhohen Felsen und den Steinwänden der „neuen Wiese“ durchdrängt. Außerhalb der Hauptstraße sind die Wohnungen einzeln, oder in Gruppen auf den Absätzen und Terrassen der beiden Thalwände hingestreut und mit freundlichen Gärten und Anlagen umgeben. Das Ensemble gewährt mit seinen waldbekränzten Höhen immer einen wohlthuenden Anblick, von welcher Seite man es auch betrachten mag.

Nicht weniger als siebenzehn vom vulkanischen Feuer erwärmte Heilquellen entspringen auf dem kleinen, von der Stadt bedeckten Raum. Sie treten aus Granitspalten hervor, deren Wände Kalksinter bekleiden. Dieser Sinter, marmorartig und buntfarbig, ist ein Erzeugniß der Quellen selber und wird von den industriösen Karlsbadern zu allerhand hübschen Sachen verarbeitet, da er sich leicht schleifen und poliren läßt. Er bricht massenhaft beim „Sprudel“. Daher der Name „Sprudelstein“.

Der Sprudel ist von allen Quellen die berühmteste, wirksamste und ergiebigste. Ihre Temperatur ist auch die höchste: 60 Grad R. Das Wasser tritt dampfend, mit großem Geräusch, stoßweise und sprudelnd zu Tage und entleert sich unter einer zum Abziehen der Dämpfe in der Mitte offnen, von Säulen getragenen Kuppel in ein rundes Becken, aus dem den Gästen die Becher gefüllt werden. 200 Schritte vom Sprudel entfernt ist der Schloßbrunnen. Die Temperatur desselben ist 40 Grad R. Er wird erst seit einem halben Jahrhundert zur Kur benutzt. Etwas wärmer sind der Mühl, der Neu- und der Theresienbrunnen (45 bis 50 Gr. R.). Sie sind seit