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etwa hundert Jahren in Gebrauch. Dem Sprudel an Temperatur sehr nahe steht der Bernhardsbrunnen; doch wird er, so wie der Spitalbrunnen und die Hygieiaquelle, weit weniger benutzt. Andere Quellen sind noch gar nicht gefaßt, und da sie in dem Teplbett selbst entspringen, so werden sie nur durch die Dampfwolken kenntlich, welche von ihnen aufsteigen. An jeder der gefaßten und zur Kur benutzten Quellen sind für die Gäste bequeme Einrichtungen angebracht: – bedeckte Säulenhallen für Spaziergänger an Regentagen und gebahnte Wege in’s Freie, die sich durch tiefe, schattige Waldgründe und an den Thalwänden mit ihren romantischen Felspartien hinziehen und sich stundenweit fortsetzen.

Alle Thermen Karlsbads sind – dies ist durch die neuesten Untersuchungen erwiesen – die verschiedenen Mündungen eines heißen Wasserstroms, dessen Kessel in jenen tiefen Räumen liegt, wo die Erdrinde sich noch im glühenden Zustande befindet. Je höher die Quellen zu Tage ausgehen, desto geringer ist ihre Temperatur. Die heißeste – der Sprudel – ist unter dem Teplbette gefaßt. Die Bestandtheile[1] aller Quellen sind gleich und auch fast in gleicher Menge enthalten; nur die höhere Temperatur kräftigt die Wirksamkeit der heißesten. Ungeheuer groß ist das Volumen des heißen Wassers, das allen Quellen entfließt; man schätzt es jährlich auf 600 Millionen Kubikfuß, ein Quantum, das einen fünf Fuß tiefen See von 1½ Stunde Umfang füllen würde. Die Sprudelquellen allein stoßen in 24 Stunden 112,000 Eimer aus. Natur! wie verschwenderisch und überschwenglich bist du selbst in deinen kostbarsten Gaben!

Die Eigenschaft der heißeren der Karlsbader Thermen, alle ihnen ausgesetzten Gegenstände in sehr kurzer Zeit mit einem harten Sinter zu inkrustiren, benutzen die Matronen, welche den Kurgästen die Becher füllen, um Blumen, Früchte, Krebse, kleine Vögel, Blumentöpfe mit Pflanzen, Vogelnester etc. dem Spritzen des Sprudels auszusetzen, wodurch sie sich bald mit Sprudelstein überziehen und so die niedlichsten und wunderbarsten Versteinerungen bilden. Frische Pflanzen brauchen kaum 14 Tage zum Inkrustiren, viele andere Dinge noch kürzere Zeit. Die Fremden nehmen diese Sachen als Andenken mit, und den Erlös werfen die Frauen in eine gemeinschaftliche Kasse zur Unterstützung der Kranken und Schwachen ihrer Genossenschaft.

Die Heilkräfte der Karlsbader Wasser sind bekannt seit Jahrhunderten, ihr Ruf umkreist die ganze Erde und führt jedes Frühjahr die Leidenden aus allen Welttheilen und aus allen Zonen in großen Schaaren in das stille Thal. Und in der That sind ihre Wirkungen in vielen der hartnäckigsten chronischen Uebel wunderbar. In den meisten Unterleibskrankheiten, in denen der Leber und der Gekrösdrüsen und bei Hämorrhoidalstockungen, übertrifft


  1. Schwefelsaures, salzsaures und kohlensaures Natron, kohlensaurer Kalk, etwas Kieselerde und Eisenoxyd.