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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Obschon die Kurwelt immer die Haupteinnahmequelle für die Karlsbader bleibt (man schätzt die Summe, welche die fremden Gäste jährlich zurücklassen, weit über 1 Million Gulden), so sind sie doch auch recht gewerbfleißig und mehre Fabrikationszweige werden in seltener Vollendung hier betrieben. Die Karlsbader Stahlwaaren und Nähnadeln kennt alle Welt, die Erzeugnisse der Zinngießer, Glasschleifer, Ebenisten und Feintischler sind nicht minder schön und gut. Unthätigkeit gilt in Karlsbad für eine Schande und die Bettelei ist unbekannt. Treffliche Anstalten sorgen für die Arbeitsunfähigen und für die hülflosen Alten, und das Auge des Kurgasts verletzt nirgends der Anblick des Elends in Lumpen, das den Aufenthalt in so manchem anderen Kurort verleidet.
Ein Plätzchen besuchen wir noch, ehe wir Karlsbad verlassen – den Friedhof. Auch da ist eine Welt versammelt, die Pilgerschaaren der Erde von allen Völkern, allen Farben, allen Ständen. Hier legten sie ihren Wanderstab für immer nieder. Diese kleinen Hügel kalter Erde, mit grauen und bemoosten, mit blinkenden und glänzenden Grabsteinen und den Inschriften aller Zungen: welche reiche Lebensblüthen schließen sie ein, die hier, fern von der Heimath und von allen Lieben, am letzten Abend welkten. Wie viel Schmerzensquellen entsprangen von diesen Grabhügeln fließend in ferne Herzen; wie viel Sehnsucht steckte auf denselben ihr Ziel hin! Wie viele Geister rufen diese Namen in’s Gedächtniß, die ehrwürdig in den Zeiten stehen! Jeder deutsche Stamm findet da irgend einen bekannten deutschen Namen, den er liebt und ehrt und zu den besten rechnet – und jedes Volk findet hier den Aschenkrug eines edeln Landsmannes, der an den heilenden Quellen, statt der gesuchten Milderung seiner Qualen, ihr Ende fand im Schooße des ewigen Friedens. Um manchen Grabstein, der mit fremden, unverständlichen Schriftzügen den Betrachtenden anredet, siehst du Gruppen stehen; denn jeder herpilgernde Fremdling sucht die Gräber Derjenigen auf, die lieb sind seiner Seele, oder theuer seinem Herzen, und die Hand der Verehrung schmückt die Denkmäler jedes Jahr mit neuen Kränzen, oder pflanzt frische Blumen zu ihren Füßen.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 167. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/175&oldid=- (Version vom 6.5.2025)