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Alnwick Castle, der Percy’s stolze Burg, deren Schicksale im Mittelalter viele Seiten der englischen Geschichte füllen, verfiel im 17. Jahrhundert und schmückte lange als Ruine Northumberlands schönste Landschaft. Als das Losungswort „Restauration!“ auch in England den alten Adel zum Wetteifer in Herstellung seiner Stammburgen spornte, erhob sich auf Befehl des steinreichen Herzogs von Northumberland auch Alnwick-Castle aus dem Schutt in fabelhafter Pracht, und mit dem Aufwande von 120,000 Pfund Sterl., welchen die innere Ausschmückung allein kostete, schuf er einen der größten und herrlichsten Rittersitze des Reichs. Das Schloß liegt in einem vom Flüßchen Aln durchrauschten weiten, mit 4 bis 5000 Stück Edelwild besetzten Park. Festons von Epheu und wildem Wein umhängen die Thürme und Mauern, in welchen das Neue mit dem Alten so täuschend verbunden ist, daß man nicht anders glaubt, als der ganze Bau sey vom Regen und Sturm seit Jahrtausenden zernagt und Wilhelm der Eroberer schon sey durch die Pforten geritten, welche das Menschenwerk von gestern sind.

Das ganze Meublement des Schlosses ist auf das Prachtvollste im Geschmack des Mittelalters. Schon die große Eintrittshalle fesselt den Beschauer durch die kostbaren alten Glasgemälde und die Rittergestalten in voller Rüstung an den Wänden. Auf den Treppen und in den Korridors stehen die Bildsäulen der Percy zwischen Trophäen der Jagd und der Fehde. Im Bibliotheksaal sind in eichenen, geschnitzten Schränken die seltenen Manuskripte und Inkunabeldrucke aufgespeichert, und in den zahllosen Zimmern, Kabinetten, Erkern und Sälen glänzen Mauern, Decken und Thürgewände von eichener Boiserie der kunstvollsten Arbeit. Alle Meubeln sind von Rosenholz oder von künstlich gefügten Hirschgeweihen, mit Sammet und Seidenstickerei. Schnitzwerk ziert die Simse und Vorsprünge, und die köstlichsten Gemälde alter Meister schmücken in antiken Rahmen die Wände. – Bloß die Unterhaltung dieses Hauses mit dem meilengroßen Park kostet jährlich über 60,000 Gulden; eine große Summe, doch eine Kleinigkeit für den Herzog, dessen Einkünfte größer sind, als die manches deutschen Königs.