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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Mein Spott ist bitter und ich schreibe ihn nieder mit Grimm und Wehmuth – Gefühle, die in dieser schmachvollen deutschen Zeit Jeder mit mir theilen wird, der einen Funken von Volksbewußtseyn und Volksehre im Herzen trägt. Was aber den Unmuth noch größer macht, ist die Ursache so großer Schmach. Wäre es die Bosheit, welche sich der Einheit des Volks entgegenstemmte: dann könnte man sagen, wir wollen sie bekriegen; wäre es die Dummheit, so könnte man sagen: wir wollen sie unterrichten; aber die Philisterei ist’s, diese widerliche, abgeschmackte Mischung von Engherzigkeit, Geistesflachheit und Feigheit, die nicht anders zu bekämpfen ist, als mit ihren eigenen Waffen, zu deren Gebrauch aber Keiner, der sich fühlt, Demuth genug hat.
Die Volkserniedrigung – ein leidiger Trost – beschränkt sich nicht auf die große deutsche Nation. Sie lastet auch auf andern Ländern und schändet viele Nationen. Wo, außer bei den Ungarn, haben die großen Ereignisse des vergangenen Jahres die Völker auch groß und stark gefunden? Die Revolutionen brausten hin über die Länder wie Sturm und Gewitter, um die Atmosphäre zu erfrischen und dem Volksgeiste neue Spannkräfte zu verleihen; aber statt diese zur großen kompakten That zu gebrauchen, die das unhaltbare, verwerfliche Alte rasch umgestaltet und das Neugeschaffene gewährleistet, wurden sie träumerisch in leeren Phrasen und läppischen Spielereien vergeudet. Nun ist auf die Frische die Schwüle gefolgt, und abgemattet und müde liegen viele Völker am Boden und fühlen es kaum, daß man ihre Glieder in neue Fesseln schmiedet. – „Ermanne dich, Volk!“ ruft wohl da und dort eine Stimme in der Wüste, aber Hohngelächter schallt aus der Tiefe, und der Geist der Schadenfreude hallt’s in allen Schlössern, Amt- und Schreibstuben wieder, ein tausendfältig Echo. Keiner hat jetzt Gewalt über diesen Geist. Er hat die Macht und herrscht seinen Tag. Alles Rechten mit ihm wäre verlorene Mühe! Aber trage er auch sein Haupt noch so hoch, trete er auch das Recht noch so frech mit Füßen, übe er auch seine Verfolgungskünste noch so teuflisch, den Muth und den Glauben soll er und Männern eiserner Gesinnung nicht brechen, und wenn die Erde unserer Hoffnung spottet, so richten wir den Blick hinan zum gestirnten Himmel und hören auf sein Flüstern: „Große Revolutionen umfassen viele Tage und viele Nächte.“ Und schon schlug ja die Stunde der Mitternacht, welche den zweiten Morgen der unsrigen einläutet und die Spalte der Zeit ist schon fast geschlossen. – Darum Vertrauen, Hoffen!
Und vertrauend und hoffend wenden wir den Blick zum ewigen Vater; denn Er ist gerecht und allmächtig. Gebe Er uns nur mit dem Muthe in rechter Stunde auch das rechte Erkennen als Aussteuer für die Zukunft: denn sonst bleiben alle Rettungswunder, die am deutschen Volk ferner geschehen mögen, fruchtlos, wie alle frühern.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 176. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/184&oldid=- (Version vom 6.5.2025)