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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Gewühl der Matrosen, dieses ewige Auf- und Abmarschiren der Marinesoldaten, dieses Rufen und Schreien bei dem Ein- und Ausladen, dieses Knarren der Krahnen, dieses Rasseln der Wagen, welche Güter und Munition holen, oder bringen: Alles das macht selbst auf Den mächtigen Eindruck, welcher an das lebendige Treiben großer Handelsstädte gewöhnt ist. Der friedliche Kauffahrer erscheint wie eine gebrechliche Nußschale gegen den Riesen, der die Donnerkeile des Kriegs aus 120 Feuerschlünden schleudert, und statt des Menschengedränges auf dem Kai eines Handelshafens – statt der bunten Gruppen in allerhand Trachten, wie sie z. B. im nahen Marseille, das Morgen- und Abendland vertretend, auf jedem Tritt Ohr und Auge anziehen, staunt er an die Mannichfaltigkeit der Uniformen des Staatsdienstes und die gewaltigen Apparate der Gewalt und Herrschaft. Der blaue Marinesoldat mit dem runden, schwarzen Hütchen auf dem Kopfe und dem immer muntern Sinne im Herzen, der stattliche, ernste Schiffskapitän, der rothhosige Soldat der Fremdenlegion, die kühnen, bärtigen Gestalten der Chasseurs d’Afrique, jener ebenbürtigen Gegner der Araber des Atlas, die Krieger aller Waffengattungen der französischen Linie, welche alltäglich in Toulon nach Algerien eingeschifft werden, oder verbrannt von der afrikanischen Sonne zurückkehren, um, unter dem Kanonengruß der Zitadelle, mit grünen Reisern geschmückt zur Heimath zu ziehen, – erinnern fortwährend daran, daß in Toulon der gepanzerte Kriegsgott herrscht, nicht des Olymps friedlicher, leichtbeschwingter Bote mit dem Schlangenstabe.
Toulon ist die größte Festung, der Hauptwaffenplatz und der erste Kriegshafen Frankreichs; sein Arsenal ist das reichste in ganz Europa. Eine Spazierfahrt im Hafen von Toulon, unter dem Schutz einer leicht zu erlangenden Karte des Kommandanten, bietet den größten Genuß und ist äußerst lehrreich. Hinausrudernd auf die Rhede, überrascht da ein unvergleichlicher Anblick, viel schöner noch, als der von der Höhe der Berge. – Man überblickt zunächst die unermeßlichen Werfte, wo an den Riesenskeletten der im Bau begriffenen Kriegsschiffe tausende von klopfenden und hämmernden Menschen wie Ameisen herumkriechen, den Mastenwald des Hafens, die Stadt, alle Forts und Außenwerke auf den Höhen und dahinter die grotesken Gebirgsformen, welche sich in blauer Ferne verlieren. Dort, unter den mit Mauern gepanzerten Höhen war es, wo zum ersten Male das Gestirn jenes Mannes aufging, das ein ganzes Menschenleben hindurch wie ein flammendes Schwert strafend und züchtigend über Länder und Völker hinzog, die zu erlösen er von Gott berufen! Dort steht noch der Name Mulgrave an jenem von den Briten erbauten Fort, das für unüberwindlich gehalten wurde und deshalb auch im Munde des englischen Kriegers nur Klein-Gibraltar hieß, daß aber der schmächtige Artillerie-Lieutenant mit jener berühmten Batterie niederschmetterte, in welcher Keiner einging, der sich nicht dem fast gewissen Tode geweiht hatte. Hier war es, wo Bonaparte dem Korporal Jourdan mitten im Bombenregen kaltblütig seine Rapporte diktirte; hier war es, wo er so viele Heldenseelen im schlichten Soldatenkittel
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 186. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/194&oldid=- (Version vom 6.5.2025)