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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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kennen lernte, die ihm nachher als Marschälle und Herzöge die Völkerschlachten schlugen und Reiche unterwarfen; hier war es auch, wo er die Schreckensmänner des Konvents inne wurde in ihrer ganzen Nichtswürdigkeit und der erste Gedanke aufstieg in seiner herrschsüchtigen Seele, welcher am 18. Brumaire seine Vollendung fand. „Da habt Ihr Toulon,“ sagte er den Kommissären des Konvents, „mein Tagewerk ist gethan.“ Und diese Elenden, die in ihrem Rapporte an die Regierung nicht einmal den Namen des Helden nannten, ohne dessen Genie und Tapferkeit die große That nimmer hätte geschehen können, begannen hierauf ihr Tagewerk. Die Adler des Ruhms flogen auf, die Raben stiegen nieder; – das Fallbeil arbeitete sechzig lange Tage nach einander und überschwemmte die Märkte und Straßen mit dem Blute des Volks und vieler der besten Bürger. Wer zählt die Unschuldigen, welche die Bosheit der nimmersatten Guillotine überlieferte, wozu damals nichts weiter nöthig war, als die Anschuldigung: er ist ein Aristokrat? Die Köpfe der edelsten, wärmsten Freunde der Volksfreiheit füllten die Körbe pêle mêle mit denen der Royalisten, und über zehntausend Toulonesen flüchteten in die Arme des Elends in der Fremde zur Rettung des nackten Lebens. – – – Ich kenne nur eine Zeit in der Geschichte und nur ein Land in der Welt, wo ein Volk unter schmachvollerer Herrschaft gestanden hat, als damals das französische: – und diese Zeit ist das Jahr 1849, und dieses Land ist mein Vaterland! Ja, lieber will ich das scheußliche Drachenhaupt eines Konvents über Deutschland Blut und Flammen speien sehen, als prunkende Throne unter Galgen, als Fürsten, von Henkersknechten bedient, die mit lebendigen Mordmaschinen ihre Völker dezimiren, umschmeichelt von Buben und umkrochen von Schurken, welche ihnen vorlügen von einer Volksbeglückung durch Standrecht, Belagerungszustand, Unterdrückung aller Freiheit und Verhöhnung aller Begriffe von Wahrheit, Ehre und Recht. Was war der Konvent? eine Rotte blutgieriger Tyrannen, die unter der Maske der Republik und des Schutzes der Freiheit ihr Schlächter- und Räuberhandwerk trieben; – diese Tyrannen nahmen das Leben, sie nahmen das Gut der Gemordeten, sie machten Unglückliche: – das war Alles. Aber die rothe Monarchie – was thut diese? sie richtet den Krieger ab zum Vater und Brudermord; sie plündert ihre eignen Völker; sie macht das Herz jedes Freiheits- und Menschenfreundes zu einer Torturkammer, zum stillen Kerker namenloser Qualen, sie vergiftet das ganze Leben, sie macht irre im Glauben an eine ewige Vergeltung, sie gießt Wermuth in jedes Gefühl. Wahrlich! jene Blutmenschen, welche das Menschenglück unter die Guillotine legten, erscheinen weniger grausam, als die rothe Monarchie; denn diese schlachtet’s nicht nur, sie begräbt’s lebendig.
Verdient Deutschland ein solches Schicksal? So wenig, als Frankreich das seinige in der Schreckenszeit verdient hat. Doch fehlt es, so wenig wie damals dem Konvente, auch der rothen Monarchie nicht an der Unverschämtheit, das Gegentheil zu behaupten und dem nach Freiheit verlangenden deutschen Volke klar zu machen, daß seine
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 187. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/195&oldid=- (Version vom 6.5.2025)