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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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langen Zangen bewegen. – Die Docken für den Neubau der Schiffe reihen sich unmittelbar an die Arsenalgebäude und auch ein großes Bassin für die ausrangirten Schiffe – die Invaliden, welche nach langem Dienst und mancher Schlacht hierher geschafft werden, um, wie in einem Spital, unter dem Roste der Zeit und der Nässe zu verwittern, oder abgebrochen zu werden. Ganze Berge alter Schifftheile liegen hier aufgehäuft, und verbrauchte, mit zolldickem Rost überzogene Kanonen, Anker und Kugeln ohne Zahl. – Auf den Werften haben die Galeerensträflinge Arbeit zu mehren Tausenden. Lauthallendes Kettengerassel tönt dir von allen Seiten schauerlich an’s Ohr und, bald da bald dort siehst du die Reihen dieser Unglücklichen, in kurze blutrothe Mäntel und buntschäckige Pantalons gekleidet und paarweise durch einen eisernen Leibgurt mit kurzer Kette zusammengeschmiedet, von Gendarmen und Soldaten geführt, in langen Zügen über die belebte Bühne eilen. An den Arbeitsplätzen nähert sich dir dann und wann einer dieser Armen und bietet dir das Erzeugniß seines Fleißes in den Ruhestunden an: Schnitzarbeiten, Dosen, Spielzeug um wenige Sous: und wenn du gibst, was man fordert, dankt dir ein Blick der von der Kraft ungezähmter Leidenschaften scharf ausgeschnittenen Gesichter. Manche Heldengestalt geht hier an der Kette! O, welche Seelenkräfte werden hier aufgerieben von dem Ungeheuer Staat, das nur zu züchtigen, nicht zu bessern, nicht zu retten weiß! Und wie erscheinen hier Gericht und Gerechtigkeit! Betrachte diesen! Er ist Familienvater, der, verzweifelnd bei dem Anblick vom Elend seiner darbenden Familie, den Sack Mehl stahl, und nun, zusammengeschmiedet mit dem Straßenräuber von Handwerk, Steine zum Bau eines neuen Bagno fährt, während seine unschuldige Familie, ihres Ernährers beraubt, dem Laster oder dem Elend preisgegeben ist; den General aber, den die Plünderung von 20 eroberten Städten zum großen Räuberhauptmann stempelte, den feiert, den Lorbeerkranz des Ruhms auf dem Scheitel, ein ehernes Standbild! – Betrachte die edle hohe Gestalt mit den schweren Fesseln: es ist ein Priester der Freiheit – ein Rebell: jede männliche Tugend ziert sein Antlitz, das reichste Wissen schmückt seinen Geist; seinen kühnen Versuch stempelte aber zufälliges Mißlingen zum Verbrechen: wäre er geglückt, so würde man ihn vielleicht in dieser Stunde als Retter des Vaterlandes ehren und Denksäulen würden seinen Ruhm künftigen Geschlechtern erzählen. Er unterlag aber – und die Despotie, sein Sieger, läßt den ehrlichen Mann nicht einmal mit Ehren sterben: sie entzog ihn dem Fallbeil, um ihn in das Kataster der Schurken zu setzen. Und das nennt sie Gnade üben, und die Zivilisation des Jahrhunderts weist auf solche Opfer hin und brüstet sich mit denselben als mit dem – Beweis ihrer Humanität. – –
Man zählte unter dem Königthum der Orleans immer 3–400 politische Verbrecher unter den Strafgefangenen zu Toulon, und die Inhaber der jetzigen Staatsgewalt, welche unter der falschen Firma der Republik nun Frankreich geißeln so lange, als sich’s die Nation gefallen läßt, haben sie verdoppelt. Die Tyrannen sind immer dieselben, ob sie die schwarzweiße Kokarde, oder die dreifarbige tragen. Und sie halten auch fest zusammen,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 189. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/197&oldid=- (Version vom 7.5.2025)