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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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wie die Wölfe. Taste nur Einer einen an, so rührt sich auch gleich die ganze Rotte von Petersburg bis Lissabon und schreit Meuterei, Empörung, Hochverrath und Verbrechen! Nur Eine ist noch schlimmer und niederträchtiger und noch enger verbunden: ich meine Euch, die Ihr, nachdem Ihr unter dem Schatten des Despotismus zu Rang, Amt, Vermögen und Ehren gekommen seyd, keine andere Rechnung mehr gelten laßt im öffentlichen Leben, als die des schmutzigen Eigenvortheils. Diese zahlreichen Bündtner nagen am Volksleben noch viel krebsartiger, als die Inhaber der Herrschaft. Sie sind die eigentlichen Straßenbauer der Sklaverei, und der ehrliche Mann, welcher der Despotie entgegenkämpft, hat sie noch mehr zu fürchten, als die Tyrannen selber; denn sie führen die gefährlichsten und niederträchtigsten aller Waffen – die der Verdächtigung und Verleumdung. –
Die Aufbewahrungsorte der Touloner Gefangenen sind massive, kastellartige Gebäude, umschlossen von hohen Mauern, auf deren Kronen spitzige Eisenstangen ein Uebersteigen derselben unmöglich zu machen suchen. Jedes Gebäude enthält eine Reihe Säle zum Essen und Schlafen. In den Schlafsälen müssen die armen Kettenträger auf dem harten Holzboden liegen, ein Wollsack ist ihr Kopfkissen, und nachdem sie sich Abends auf Kommando alle niedergestreckt haben, werden die Füße der Unglücklichen der Reihe nach an eine Eisenstange gekettet, so daß jede heftige Bewegung eines Gefangenen alle übrigen aufwecken muß. Unter der Monarchie war die Peitsche das souveräne Werkzeug der Ruhe und Ordnung, und die Gnade des Lebens in diesen philantropischen Räumen war teuflischer Spott gerade für Die, welche Gnade verdienten; denn für diese war ein solches Leben noch viel bitterer, als der Tod auf dem Schaffot. Unter den Bourbons wurden die Gefangenen bei dem geringsten Anlasse von ihren unbarmherzigen Aufsehern geschlagen wie das Vieh, und der Sträfling zitterte wie der Sklave auf Cuba, wenn der Hüter mit der bleibeschwerten Peitsche auf ihn zutrat. Mit dem Königthum ist aber diese Teufelei doch gebrochen, die grausamen Zuchtwärter wurden entfernt, und Männer, die ihr Amt mit Milde üben, sind an ihre Stelle getreten. Die Arbeiten sind zwar nicht leichter, als sonst; doch der Arbeitsstunden sind jetzt weniger. Immer aber ist des Elends, des Jammers und der Barberei genug übrig geblieben, und das Herz des Menschenfreundes versinkt in Trauer bei dem Anblick so vieler jungen Leute von 16–18 Jahren, die, oft zusammengekettet mit alten, unverbesserlichen Schurken, hier die Priesterweihe des Verbrechens empfangen. Wer sollte es glauben, daß unter solchen Verhältnissen und unter solchen Menschen die Unverwüstlichkeit des Göttlichen in unserer Natur sich noch erhalten könne? und daß da noch möglich sey eine Begeisterung für das Edelste und Höchste? Und doch! Als im Jahre 1793 Bonaparte, nach der Erstürmung des Forts Mulgrave, die Tod und Verderben schleudernden Batterien gegen die Rhede richten ließ, da steckten die sich einschiffenden Engländer vor der Räumung der Stadt das Arsenal, die Werfte, das Lazareth und die französische Flotte in Brand. In diesem Moment grenzenloser Verwirrung befreiten sich die Sträflinge von ihren Ketten.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 190. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/198&oldid=- (Version vom 7.5.2025)