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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Aber statt zu fliehen, oder mit zu plündern und zu morden, eilten sie, fest zusammenhaltend und unter dem Rufe: „Es lebe die Freiheit! Es lebe die Republik!“ in den Hafen, stürzten sich in’s brennende Arsenal, in die Docks, in das Lazareth, bekämpften mit Löwenmuth die Flammen, retteten die Kranken und Verwundeten von dem gewissen Feuertode und – nachdem sie den Brand gelöscht hatten mit Aufopferung des Lebens, – und während die Schlächter des Konvents in der Stadt selbst gegen Schuldige und Unschuldige wütheten, – kehrten sie in ihre Gefängnisse zurück und legten sich die Ketten wieder an: – „Denn – sagten sie – die Achtung vor dem Gesetz ist die Mutter und die Hüterin der Freiheit!“ – Der Konvent votirte ihnen den Dank des Vaterlandes und gab 100 Gefangenen die Freiheit, deren Wahl den Sträflingen selbst überlassen wurde. – Wo findet sich ein solches Beispiel in der Geschichte wieder? –
Das Touloner Leben hat in allen Dingen Bezug auf militärische Verhältnisse. Die Straßen wimmeln von Soldaten, die Uniformen dominiren in jeder Gesellschaft. Jedes Vergnügen hat einen militärischen Beigeschmack. Die besuchteste Promenade ist das Champ de Bataille, ein großer, viereckiger Platz, umgeben von Reihen schöner Platanen. Hier tönt jeden Abend die herrlichste Militärmusik, und nach ihr folgen verschiedene Lustbarkeiten und Schauspiele für’s versammelte Volk; es steigen illuminirte Luftballons auf, Marionetten tanzen bei der Drehorgel, Taschenspieler zeigen ihre Künste, wandernde, kastanienbraune italienische Sängerinnen lassen sich hören und warmblutige Provenzalinnen spielen die Guitarre oder Zither. Die vornehme Welt promenirt unterdessen in den Alleen, und die zierlichen Bänke und beleuchteten Tischchen umstehen die Gruppen geputzter Damen und schmucker Offiziere. Um 10 Uhr rufen die Trommeln und Hörner die Krieger zum Aufbruch, – die vornehme Welt entfernt sich – die Lichter verschwinden, und das, was übrig bleibt, hüllt sich willig in den Schleier der Nacht. –
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 191. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/199&oldid=- (Version vom 7.5.2025)