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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Orleans! - Fluch und Segen streiten um deinen Namen! Du tauftest eine Dynastie und – die zarte Heldengestalt einer Seherin, die Frankreich rettete. Unsterbliche Johanna, die du durch das Gedächtniß aller Völker gehst, könntest du doch jetzt niedersteigen zu einem zweiten größern Werke der Befreiung. Auch die deutsche Erde bedarf geweihete Menschen, auch sie bedarf Geister, welche den Stempel Gottes auf der Stirne tragen; auch sie bedarf eines Retters, dessen Persönlichkeit ein Lichtkreis umgibt, welcher ausstrahlt von der lautersten Tugend, der höchsten Weisheit, der stärksten Thatkraft; – eines Messias bedarf sie, der die Völker zu begeistern weiß zum unbedingten Gehorsam unter seinen Willen, welche zu befreien er sich vorsetzt. Deutschland bedarf eines Heros, vor dessen Salvatorkraft sich Alles in Demuth beugt, dessen Himmelsgestalt die Erdengeister wie einem Gotte dienen, es bedarf eines jener Männer, wie sie aus jenen alten Prophetenschulen hervorgegangen waren, um die Erlösung mit dem Wort und mit dem Schwerte in die Welt hinaus zu den Völkern zu tragen. Wenn ein solcher Mensch jetzt aufträte unterm deutschen Volke und hinzeigte auf den frischen Morgen, der dort heraufdämmert hinter der schwarzen Nacht des Despotismus, der unsere Gegenwart in eiserne Fesseln schlägt – und wenn dann der Heros das Banner erfaßte und um sich schaarte die Hunderttausende: – wie würde da die Hölle erbeben in ihren Grundvesten, wie würden die quälenden Teufel zittern, wie würde ihr morscher, aus allen Fugen gegangener Bau, in dem sich die rasende Brut nur noch durch Bajonnette und Kanonen eine letzte Stunde des Daseyns zu schaffen trachtet, zusammenbrechen über ihren Häuptern ohne Aufschub! Dem deutschen Volke fehlt nur eine rettende Erscheinung, wie Johanna d’Arc, wie Washington, wie Kossuth! Käme eine solche, dann würden sich die Todtenhügel schnell über die schulderdrückte Fürstenherrschaft wölben und fortfluthen würden auf den Wogen der Volksbefreiung die Stühle der Könige in’s Meer der Vergessenheit wie abgefallenes Laub.
Gekommen sind Boten der Verheißung manche, aber der Messias selbst ist noch nicht da. Vorbereitet auf sein Kommen ist die deutsche Erde längst; unzählige Geister waren seit Menschenalter thätig, ihm die Wege zu bahnen. Auch der Weltgeist selber hat der Zeichen und Wunder viele geschehen lassen, um dem deutschen Volke anzudeuten die großen Dinge, die er beschlossen hat zu seiner endlichen Erlösung aus der verlogenen Monarchie
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 192. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/200&oldid=- (Version vom 7.5.2025)