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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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„Aux grands hommes la patrie reconnoissante!“ Zu deutsch: Senf nach der Mahlzeit. Die Inschrift ist nicht der Arbeit werth. Gibt’s was Alberneres, als ein Beinhaus anzulegen mit solchem Titel und die Jahrhunderte als Sammler zu bestellen? und dies in Frankreich, in Paris, unter einem Volke, das für seine „grands hommes de la patrie“ in jedem Lustrum einen andern Begriff hat? Für wie Viele, deren Namen man in Paris heute als Verbrecher am Schandpfahle liest, oder die zu Vincennes im Thurme sitzen, windet morgen vielleicht die Nation Lorbeerkränze! und wie so manche Aschenurne, der sie die Ehre des Pantheons votirte, zerschlug sie nach wenig Jahren und streute ihren Inhalt fluchend in alle Winde! Vom Kapitol zum tarpejischen Felsen ist nur ein Schritt, vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur eine Spanne. – Rousseau ruhte im Pantheon und daneben – Marat. –
Das Pantheon selbst legt Zeugniß ab von der Unbeständigkeit der menschlichen Dinge und Meinungen: – es ist die beste Illustration seiner stolzen Inschrift. Der Kardinal Richelieu wollte sich mit dieser wunderschönen Kopie des Heidentempels (des Pantheons in Rom) einen Stuhl im Himmel bauen, seine Kirche der heil. Genoveva sollte die schönste in Paris werden. Aber als die hohe Kuppel auf den schlanken korinthischen Säulen sich wölben sollte – da gaben die Fundamente nach, ein Theil des Baus stürzte ein und lange Jahre wußte man nicht, was daraus werden würde. Endlich erlangte der kühne Baumeister Soufflot vom Hofe die nöthigen Gelder für die Vollendung nach einem abgeänderten Plane. Er baute die Kirche fertig. Sie hatte mehr als 30 Millionen Livres gekostet. Nun kam die Revolution und die Schreckenszeit. Nach dem Prinzip der Gleichheit hätte sie gern den Herrgott guillotinirt. Da dies nicht anging, so jagte sie ihn wenigstens aus dem Hause.
Das währte eine Zeit lang. Die Kirche wurde verschlossen, bis dem Konvente der Gedanke beikam, das Ci-devant-Gotteshaus zu einem Beinhaus zu machen für irdischen Ruhm. Die Inschrift: „Pour la gloire de l’ètre suprème“ wurde ausgetilgt, „Aux grands hommes la patrie reconnoissante“ dafür eingemeißelt, und die leeren Königsgrüfte wurden umgebaut in eine Reihe Zellen, deren jede den Sarkophag eines Mannes aufnehmen sollte, welcher sich um das Vaterland so große Verdienste erworben habe, um ein Votum der Nationalrepräsentation
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 199. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/207&oldid=- (Version vom 7.5.2025)