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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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„Gott steh uns bei! da haben wir die Republik!“ – Beruhigt euch. Bugia liegt in Afrika. Nicht in Sanssouci, sondern über dem Deypalast in Algier, der Despotie klassischem Boden, weht die republikanische Trikolore, und nicht in Potsdam, sondern auf dem Markte von Bugia steht die Bildsäule der Freiheit. – Landsleute! Doch nein; ich will euch nicht ärgern und mich auch nicht! Afrikaner haben zwar die Republik; aber ihr habt mehr. Ihr habt 50 Akademien, 500 Gymnasien, 5000 Professoren, 50,000 Räthe und 34 Souveräne, ihr habt den Ruf, das gebildetste, gemüthlichste, geduldigste Volk der ganzen Erde zu seyn; ihr schreitet zwar in der Politik nicht voran mit Meilenstiefeln; ihr arbeitet aber unablässig an der Theorie des passiven Widerstandes, an der tiefsinnigen Untersuchung des fürstlichen Oktroyirungsrechts, an der vergleichenden Anatomie der Reichsverfassung eurer Vertreter und eurer Könige; ihr näht fleißig an den Kinderschuhen der Freiheit, noch in diesem Jahrhundert werden sie fertig seyn, im darauffolgenden werdet ihr die Füße hineinstecken, im nächsten werdet ihr zu gehen wagen – und fortschreitend in solcher Weise wird Deutschland am Ende eines Milleniums dahin kommen, den leichten, weichen, bequemen Bürgerhut auf dem Haupte zu tragen, statt der 34 schweren, harten, Schwielen machenden Kronen. Der Deutsche will bei allem Wissen, also auch in dem politischen, regelmäßig geschult, examinirt und konfirmirt seyn, und was ohne ein gutes Maturitätszeugniß bei Revolutionen herauskommt, das ist ihm handgreiflich. Also in tausend Jahren!
„Im Meere der Ewigkeit ist ein Jahrtausend
Ja nur ein Tropfen!“ –
Wie man Völker erzieht, das weiß Niemand besser, als unsere Professoren, und wenn sie uns sagen, daß wir Sextaner sind in der republikanischen Vorschule, so müssen wir es glauben. Dem Sextaner, der auf die Universität gehen will, gebührt aber eine Ohrfeige, oder man setzt ihn auf die Eselsbank. Demnach soll sich Niemand wundern, wenn es Leute die Menge gibt, welche die Meinung haben, daß, bevor von Republik in Deutschland die Rede seyn könne, die Nation erst noch einmal einen gründlichen Kursus der Alleinherrschaft durchmachen und lernen müsse, was die Tyrannei im Superlativ bedeute. Die trockne Antwort: „die höchste Despotie ist die höchste Spitzbüberei“
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 207. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/215&oldid=- (Version vom 7.5.2025)