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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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kann nicht befriedigen. Der Michel soll den Superlativ erfahrungsweise inne werden; er soll den Korporalstock der monarchischen Disziplin kennen lernen, die Beweiskraft der Knute fühlen, Vaterlandsliebe als blinden Gehorsam üben, Richter im Soldatenkittel sehen, welche die Feder zu den standrechtlichen Urtheilen auf Kommando spitzen, und verehren lernen soll er Landesväter, welche mit Haftbefehlen, Ordonnanzen, oktroyirten Gesetzen und Dekreten der Willkür auf das Volk losschmettern, wie auf ihr Geheiß die Kanonen mit Kartätschen und Shrapnels. Das Alles muß er können und wissen; aber damit ist der neue Kursus noch nicht zu Ende. – Erst nachdem er gesehen hat, wie jedes Amt zur Wachstube wird, jeder Soldat ein Volksschlächter, jeder Diener in seinem Hause ein Spion, jeder Bekannte ein Denunziant, jedes Ministerium eine Kelter, um den Volksbeutel auszudrücken und Bürgerherzen zu pressen, jede Schule eine Verdummungsanstalt und jeder Priester Gottes ein feiler, feiger Knecht des Despotismus; – erst nachdem er die Alleinherrschaft in seiner ganzen Glorie geschaut hat, den Genius des Absolutismus in seiner imposantesten Gestalt und die Künste, welche Alles verknechten von der Hütte bis zum Palast, vom Bettler bis zum Standesherrn, vom Arbeiter bis zum Besitzer von Millionen; – erst nachdem die Deutschen unter den Geißelhieben so weit gebracht worden sind, daß man von ihnen zu fordern sich getraute sie sollen die Häupter ihrer Tyrannen höher stellen, denn Gott selber, wie es der Russe thut mit seinem Czar: erst dann wird man ihnen die Berechtigung zugestehen, sich aufzuraffen aus dem tiefen Schmutz der Verknechtung, verlangend hinzuschauen in’s Kinderparadies der Menschheit, und die Faust zu ballen und das Schwert zu ziehen, um die Peiniger los zu werden. Nicht früher. Erst soll der Deutsche mit langem Dienst der Sklaverei, mit ihrer Schande und ihrer Kettenlast, den Preis der Republik vorausbezahlen, ehe er nach ihr verlangen dürfe. So sagen seine Professoren, und Millionen reden ihnen gedankenlos nach! – Der Geist der Revolution aber spricht anders. Vergebens – sagt er – will der Dünkel der Schulweisheit der Nation das Recht der Selbstregierung nach freier Selbstbestimmung verkümmern oder verkürzen und ihr vermessen die Schranken ziehen und zurufen: „Bis hieher und nicht weiter!“ Der deutschen Nation Recht kennt keine Grenze als die, welche sie sich selbst setzt in ihrer Machtvollkommenheit. Die gänzliche Abschüttelung ihrer Fesseln, die sie zum Schaden ihres Glücks und ihrer Ehre viel zu lange schon getragen hat, ist eine heilige Pflicht, der sie sich, ohne ein Verbrechen zu begehen gegen ihre eigene Zukunft, nicht mehr entziehen kann. Mit blutigen Fingern haben die Dränger dem Volke den Freibrief an die Himmelsdecke geschrieben, und mit Bürgerblut frischen sie jetzt täglich die mahnende Riesenschrift auf. Sie, die schnöde von sich warfen den Rath der Mäßigung, sie, die mit Fußtritten die Barmherzigkeit großmüthiger Völker vergolten und mit Verfolgung und Haß jede warnende Stimme der Wahrheit gelohnt; – sie, „die Verlassenen von Gott und von den Menschen“, sie, die Unglücklichen, die keinen andern Stimmen
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 208. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/216&oldid=- (Version vom 7.5.2025)