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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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und Meer beherrschten; dort ist das Land der Republik Karthago, der europäischen Kultur älteste Mutter! Es kann nicht fehlen, daß Nordafrika die große Mission hat, an der Hand der Freiheit, mit Schwert und Steuer, mit Pflug und Buch für den Bürgerstaat zu ringen und zu werben im ganzen Welttheil.
Und dann wird auch die Stadt, zu welcher uns unser Stahlstich führt, wieder zu Glanz und Ehren kommen, wie in alten Tagen. Bugia (25 Meilen östlich von Algier und auf zwei stufenförmigen Abhängen eines hohen, nackten, steilen Felsens gelegen), von Karthaginensern gegründet, später Hauptstadt des Vandalenreichs, war zur Zeit der französischen Eroberung nicht viel mehr, als ein Schutthaufen, aus welchem die Trümmer von fünf übereinander liegenden Städten emporragten. Jetzt richtet es sich unter dem dreifarbigen Panier kräftig zur neuen Blüthe auf. In Bugia ist der Mittelpunkt der Verwaltung für das Land am Atlas und die Propaganda für die Verbreitung des Einflusses der Republik unter den afrikanischen Völkern. – Wegen seiner natürlichen Festigkeit war es von jeher der Zankapfel streitender Völker. Araber und Marokkaner führten hier schwere Kämpfe. Im 12. Jahrhundert wurde es der ganzen Christenheit furchtbar. Doch beugte es sich im Jahre 1510 vor einer christlichen Macht: der tapfere Feldherr Ferdinands des Katholischen von Aragonien, Peter von Navarra, eroberte die Stadt und setzte sich in ihr fest. Glücklich widerstand sie 1512 und 1514 den Angriffen der Mauren unter Haireddin Barbarossa. Die Unglücksfälle der Flotte Karls V. im Jahre 1541 erhoben jedoch den Muth der Besiegten; 1555 sah sich der spanische Gouverneur, Alonzo de Perealta, zum Abzuge genöthigt, und er büßte in Madrid dafür mit dem Kopfe. Von dieser Zeit an blieben die Barbaresken im ungestörten Besitz der Stadt und hielten sich hier nach der Eroberung von Algier durch die Franzosen noch mehre Jahre. Erst am 29. September 1833 nahm General Trezel Bugia für Frankreich in Besitz. Wie wichtig und theuer den Mauren diese Stadt, sowohl als strategisch bedeutender Küstenpunkt wie als günstiger Handelsplatz, war, zeigten die unaufhörlichen Kämpfe, welche nun entbrannten und unter denen der berühmte Angriff der Kabylen in der Nacht vom 10. zum 11. Oktober 1834 sagenhafte Heldenthaten hervorrief. Die Erhaltung dieses Platzes kostete Frankreich noch manches Opfer. Gegenwärtig aber sind Mauren und Franzosen innig verbrüdert. Seit der Aufrichtung der Republik und seit freie Institutionen alle Eifersucht der Nationalitäten verwischt haben, entfaltet die Stadt schnell ihre Keime des Gedeihens. Die Republik unternahm große öffentliche Werke; sie wendete allein 3 Millionen auf den Straßenbau. Ihr Feldweg über den hohen Gourayah wird der Mont-Cenis-Straße zur Seite gestellt. Er führt durch die Gebirgswelt des Atlas im Hintergrund unseres Bildes. Die Atlaskette nähert sich hier dem Meere so, daß Bugia mitten im Gebirge zu liegen scheint und volle sechs Monate von den schneebedeckten Spitzen desselben umkränzt wird. Die Thäler jedoch bieten die trefflichsten Weiden und prangen in ewigem Grün, und im dunkeln Leib der Berge stecken überschwengliche Schätze, die nur der fleißigen Hände
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 211. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/219&oldid=- (Version vom 7.5.2025)