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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Pferd kostete 8000 Livres jährlich, die Tafel täglich 4000, der Keller jährlich 1 Million Livres. Die Livréen für seine Bedienten zehrten 500,000 Livres auf. Die besoldeten Tagediebe von Rang (die adeligen Hofchargen) erhielten 2 Millionen; Wachslichter verbrauchte er für ½ Million, Seife und Parfümerien für 200,000 Livres. Die königliche Apothekerrechnung betrug im Durchschnitt 180,000 Livres; der König hatte 12 Leibärzte, und zu besonderen Gratifikationen für ärztlichen Rath gingen überdies noch 90,000 Livres auf. Er verschoß für 280,000 Livres Pulver auf seinen Jagden! – Und doch – furchtbare Wahrheit! – kostete dieser verschwenderische Hof Frankreich nicht so viel, als die Monarchie meinem armen Vaterlande. Ludwigs XIV. Hof war der Abgrund, der während einer langen Regierung die jährliche Durchschnittssumme von 38 Millionen Livres verschlang; aber die 34 deutschen Fürstenhöfe und Zivillisten kosten täglich fast hunderttausend Gulden, also fast das Doppelte! Athme Einer leicht auf bei dieser Rechnung; ich kann’s nicht. Ich kann’s nicht, wenn jährlich 100,000 Deutsche an den duftenden Hofküchen vorüber wandern, um in einem fremden Welttheil den Hunger zu stillen; ich kann’s nicht, wenn ich lese, daß ein deutscher König in dem letzten kalten Winter „die Gnade“ hatte, den erfrierenden Armen in seinem warmen Marstalle neben den Pferden ein Nachtlager zu gestatten; ich kann’s nicht, wenn man erzählt, daß an einem deutschen Hofe die Hühner mit Reis und die Pferde mit Waizenbrod gefüttert wurden, während in Schlesien die armen Weber vor Hunger starben; ich kann’s nicht, wenn gesagt wird, daß eine Lola Montez in einem Jahre mehr erhielt von einem ehebrecherischen König, als die gesammten Armen seines Königreiche; ich kann’s nicht, wenn die Tochter einer andern Fürstenhure mit Millionen ausgestattet werden, die man dem ärmsten deutschen Lande auspreßt; ich kann’s nicht, wenn regierende Herren Herrschaften kaufen in fremden Ländern von dem Gelde, das sie dem eigenen Lande entziehen, und Millionen in Sicherheit bringen in den Banken des Auslandes, während die Finanzen ihrer Länder dem Bankrott nahe stehen und ihre Bürger über den unsinnigen Staatsaufwand an den Bettelstab gerathen. Wenn ich von Hofsängerinnen höre, die mit ihren Flötenliedern Landesväter in den Schlaf lullen, dann denke ich an das Weinen verlassener Waisen und darbender Wittwen; und wenn über neue Paläste und unnütze Prachtbauten schmeichelnde Gauner und Schranzen ihre Bewunderung aussprechen und alberne Menschen diese Purpurlappen auf des Volkes Bettlermantel mit Wohlgefallen angaffen, dann steigt mir die Röthe des Zorns in’s Antlitz. Mag diese Sprache Vielen nicht gefallen, mag das Feuer meines Gefühls und meiner Rede den Haß von tausend Köpfen gegen mich entzünden; wenn es tausend Herzen erwärmt, sie erglühen macht und aufstachelt zum Haß gegen die Geister der Herrschsucht, Habsucht, Lüge und Gleißnerei, welche das Unglück der Völker verschulden, so soll mich’s nicht kümmern. Mein Wort ist wohl nur ein Wort, kein Schwert; aber Donnerkeile hat das Volk, und es wird sie schleudern zu rechter Stunde. –
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 227. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/235&oldid=- (Version vom 8.5.2025)