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Die unermeßlichen Anlagen von Versailles – Schloß, Park und Stadt – sind ganz das Werk Ludwigs XIV., des eitlen Tyrannen.

Im Jahre 1660 begann der Bau. Er ward fortgesetzt bis 1685 und blieb unvollendet; denn der wahnsinnigen Verschwendung, welche alle Jahre tollere Pläne zur Erweiterung der Anlagen entwarf, versagten endlich die Mittel zur Ausführung. Nach des Gründers Tode wurde Versailles der Schauplatz jener viehischen Laster, die Alles besudelten, was mit dem Hofe des Regenten und Ludwig XV. in Berührung kam; Ludwig XVI. aber fand den Staat schon in Fäulniß, und durch die Noth zu Einschränkungen gezwungen, begann bald nachher der Verfall jener Schöpfungen, welche, als das glänzendste Monument der Monarchie, nothwendig auch alle Schicksale derselben theilen mußte. Versailles ist mit ihr gestiegen und mit ihr gefallen, und es soll sie nur überleben, um Frankreich ein bleibendes Erinnerungsmal der fluchwürdigsten Dynastenherrschaft zu lassen und der Nation ein Warnungsmal für kommende Zeiten.

Während der Revolution wurden die Kunstschätze des Schlosses nach Paris in’s Nationalmuseum gebracht, vieles Kostbare verschleppt, das Mobiliar versteigert, und die stolze Wohnung der Könige zur Invalidenkaserne gemacht; der Park aber wurde vom Konvent in 3000 Loose getheilt und den Armen geschenkt. Endlich sah man jedoch ein, daß Versailles einer bessern Bestimmung werth sey, als in Ruinen zu fallen, und Männer wie Gregoire setzten es durch, daß man die Invaliden entfernte und die Gebäude vor fernerer Verwüstung schützte. Es wurden zwanzig Säle zu einem „Museum für die französische Malerei“ hergerichtet und die „Zentralschule für die schönen Künste“ ward in’s Schloß verlegt. Damit war die Verwandlung des Hauses der Despotie zu einem Tempel der Kunst angebahnt. – Napoleon verwendete 3 Millionen jährlich auf die Ausbesserung der Gebäude und Anlagen; die Restauration aber setzte das Werk der Wiederherstellung der Königsburg auf’s Eifrigste fort. – Da warfen auf einmal die Pflastersteine des Juli die älteren Bourbons von dem Throne! Louis Philipp, ihr schlechter Erbe, gab auf die Frage: was soll mit dem verhaßten Versailles werden? die kluge Antwort: ein Tempel des Ruhms für die Nation. Das ist er geworden. In mehr als 100 Sälen und Zimmern hat die Kunst – durch Pinsel und Meisel – die Geschichte Frankreichs geschrieben, eine Geschichte in Hieroglyphen, – in Gemälden und plastischen Werken, – großartiger, als die in den Königsgräbern und Tempeln von Theben.