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DCIX. Wildbad Pfeffers in der Schweiz.




Das ist ein herrliches, blühendes Land, dieses Land St. Gallen. Die Klosterbrüder haben es verstanden. Sie schnitten sich überall das beste Stück aus dem Kuchen. St. Gallen mit seinem 40 Quadratmeilen großen Gebiet ist wie ein Park, in dem die Natur ihre besten Schätze zur Schau stellte. In diesem Lande war der Krummstab das Scepter, der Abt der Fürst, und in Macht und Pracht, Stolz und Hoffahrt stand er weltlichen Regenten nicht nach. Aber nach und nach entwuchs das hörige Volk, das der Fleiß vieler Jahrhunderte wohlhabend und reich gemacht hatte, dem Gängelbande, und Theil nehmend am ewigen Fortschritt der Zivilisation entwickelte sich, trotz aller Gegenbestrebungen der Pfaffen, das freie Bürgerthum. Als dies zu Kraft gekommen war, da entspann sich der Kampf gegen die Kirche, und allmählig wurde den Aebten ein Recht und eine Konzession nach der andern abgerungen. Die morsche Mönchsherrschaft war dahin, und in den Verwirrungen der schweizerischen Revolution zu Ende des vorigen Jahrhunderts brach sie vollends zusammen. Der letzte Nachfolger des heiligen Gallus starb vor 20 Jahren in der Zelle eines fremden Klosters, und die junge Republik, als Kanton des Schweizerbundes, ist eins der glücklichsten und blühendsten Gemeinwesen der Erde. Von Jahr zu Jahr wächst ihr Wohlstand, ihre Bevölkerung, und auch die edlern Früchte der Freiheit: Kunst, Wissenschaft und Humanität, gedeihen in dem kleinen beneidenswerthen Staate.

Dort an der Grenze des bündtner Landes, wo der junge Rhein aus dem Hochgebirg hervorbricht, schlängelt sich ein Saumpfad hinan bis zu den Hütten des Dorfes Valens. Es liegt beinah 3000 Fuß über dem Meere, in einem heitern Bergthal, zwischen den Hörnern der wildzerrissenen Gebirgsstöcke Calanda und Monteluna. Vom Kirchlein weg geht seitwärts ein Pfad durch Wiesen bis zum Rand einer Bergschlucht, auf deren finsterm Grunde die Tamina über Felsblöcke hinrauscht. Steil windet sich der Weg an der Felswand in den Schlund hinab bei 700 Fuß tief, und in dieser schauerlichen, kaum zugänglichen Einsamkeit stehen die Gebäude des kleinen Kurorts. Es ist Pfeffers – das berühmteste unter den Bädern der Schweiz.

Die warmen Heilquellen von Pfeffers kamen schon vor 1000 Jahren in Gebrauch. Sie gaben zur Gründung einer Klause, dann eines Klosters Veranlassung. Ein wunderthätiges Marienbild unterstützte die Heilkraft der Quellen. Was das Wasser nicht that, das wirkte der Glaube.