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Die Mönche ließen sich im Jahre 1050 vom deutschen Kaiser Heinrich III. mit dem Eigenthum der Quellen auf ewige Zeiten belehnen und übernahmen dagegen die Verpflichtung, die für den Gebrauch der Bäder nöthigen Einrichtungen zu treffen und zu unterhalten. Diese Einrichtungen waren freilich dürftig genug. Die Kranken wurden an Seilen in die Tiefe der Schlucht hinabgelassen, mußten dann an der Tamina hinan, bald über Felsblöcke weg, bald auf Leitern, bald von Seilen gehalten zu den Quellen klettern und da eine ganze Woche lang Tag und Nacht im Wasser liegen, während ihnen ein Klosterbruder das Nöthigste an Speise und Trank reichte. Die Kur war eine verzweifelte und die Schrecken der Umgebung, die halsbrechende Fahrt, die Finsterniß des Orts, welche nur durch den Schimmer einer ewigen Lampe vor dem im Gestein gebauenen Bilde der heiligen Jungfrau gebrochen wurde, der Mönch, der zu verschiedenen Tageszeiten mit den Kranken die Litanei absang, oder das Ave betete: – alles Das regte neben der drastischen Wirkung des Bades so gewaltig auf und weckte so viele schlummernde Kräfte, daß die unglaublichen Wunderkuren wohl möglich wurden, von denen die Legenden des Klosters erzählen. Erst vor anderthalb Jahrhunderten wurden bequemere Einrichtungen gemacht, gangbare Pfade in die Schlucht gesprengt, die Badehäuser gebaut und das Wasser der Quellen aus einer Entfernung von 700 Schritt durch Röhren in das Kurhaus geleitet.

Die Fahrt zu dem Ursprung der Heilquelle selbst ist immer noch ein kleines Wagniß; aber der Reiz, das Naturwunder zu schauen, überwindet die Furcht bei den Meisten. „Es ist ein Gang“, – erzählt Zschokke – „als wär’ es ein Weg durch die geborstene Erdrinde zum Orkus oder zu den unterirdischen Palästen der Gnomen.“ Die Felspforte zum Eingang ist dicht bei dem Badehause. Sie führt in eine schmale Bergspalte, in deren Wand eiserne Pfähle eingetrieben sind, auf welchen ein schmaler Bretersteig, kaum 2 Fuß breit, gelegt ist. Der Steig ist ohne Geländer; er schwebt über einem 30 bis 40 Fuß tiefen Abgrund, auf dessen Sohle dampfendes Gewässer rauscht. Durch das ewige Tropfen des Wassers von den Felswänden wird der Pfad schlüpfrig und das blendende Fackellicht erhöht die Gefahr. Ein Fehltritt brächte unvermeidlichen Tod. Mehre hundert Fuß hoch steigen die Felswände der Schlucht senkrecht hinan zu dem kaum erkennbaren Tageslicht. Das Gestein ist schwarzer Marmor, durch welchen da und dort eine blendend weiße Spathader sich wie ein Blitz schlängelt. An vielen Stellen hängen die Wände weit über, und hausgroße Felsblöcke bilden, zwischen die Wände eingekeilt, natürliche Thore. An andern Orten neigen sie sich, den Einsturz drohend, einander zu, oder sie gehen weit auseinander und formiren Hallen von unabsehlicher Höhe, aus denen helles Grün der Gebüsche herableuchtet, wie aus einer andern Welt. Die Tamina heult brausend, tobend und stürzend aus der Tiefe herauf, wie der Strom der Hölle. Man fühlt den Steig zittern unter den Füßen von der Gewalt der rasenden Fluth. So geht es fort unter Herzklopfen und mit schlotternden Knieen wohl eine Viertelstunde lang, bis der Führer sein „Halt!“ ruft. Man steht am Ziel.