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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Ultramontane, hier Hengstenberge, Frömmler und Mucker: dazu mußte im Westen der kölner Erzbischof und der trierer Rock kommen, um im Osten die Saat aufgehen zu machen: – Ronge und Czerski. Deutschkatholiken, freie protestantische Gemeinden fasten Fuß im Volk. Dagegen Verbote, Ausweisungen, Verbannungen, Einkerkerungen, die alten probaten Niederstampfungsmittel – diesmal jedoch vergeblich. Endlich fuhr „die Hand“ aus den Wolken – Pius kam; er gab dem Zeiger der Weltuhr eine neue Richtung, die stärkste Kette riß im europäischen Räderwerk, und es schlug 1848! –
Die Kerkerthüren öffneten sich, das Volk stand auf und – die Summe seiner drei Bewegungen: Reichseinheit und Schwarzrothgold von 1815, Konstitutionen und Preßfreiheit von 1831 und Glaubensfreiheit von 1845 – schrieb es 1848 auf seine Fahne: – Deutsches Parlament mit deutscher Reichsverfassung.
Auf diese Rechnung blicke der Aengstliche, der Verzagende, der in unserer trüben Gegenwart Trost und Ermuthigung sucht. Das deutsche Volk hat nach dem Knechtungsjahrhundert, dem 18., und nach der Franzosenherrschaft, trotz heil. Allianz und deutschem Bund, seit 1815 drei Riesenschritte gethan, es ist, trotz dreimaliger Unterdrückung, stets mit unermeßlich vermehrter Kraft gegen seine Dränger aufgestanden, es hat, trotz seiner Zerrissenheit, 1848 das Größte vollbracht, was bis jetzt ein Volk vermocht: – und weil nun andere Banner das schwarzrothgoldene wieder zu überdecken scheinen, wollt ihr am endlichen Sieg der guten Sache, am Sieg des Volks, am Sieg der Freiheit und des Rechts verzweifeln? Nimmermehr! Gerade an den Mitteln, zu welchen in diesem letzten Kampf die Gewalt ihre Zuflucht nimmt, erkennt ihr, daß es der letzte Kampf ist. Seht ihr nicht, daß die Gefängnisse bereits aufgehört haben, ein bewährtes Beruhigungsmittel zu seyn? Wie bei einer alten Hure sind die letzten Reste von Scham und Zucht aus der Physiognomie der Tyrannei verschwunden: sie schämt sich nicht mehr, sich zu zeigen, wie sie wirklich ist, während es noch vor den Märztagen zu ihrer Etikette gehörte, der Oeffentlichkeit mit einem Heiligenschein gegenüberzutreten. Bestrebte sie sich früher, ihre Gegner durch Ueberredung, Verführung, Bestechung, Drohung zu sich hinüber zu ziehen, und begnügte sie sich damit, die Halsstarrigen, Unerschütterlichen durch Ausweisung und Einkerkerung unschädlich zu machen, – so greift sie jetzt, nachdem das Volk sie einmal in ihrer Nacktheit gesehen hat, sogleich zu den ihren feindseligen Absichten passendsten Mitteln. Man schleppt die Volksmänner und Streiter der Freiheit nicht erst in’s Gefängniß und übergibt sie den Händen der Justiz, – nein, – man spricht über ganze Städte und Provinzen das Interdikt aus, man wirft die erwählten Würdenträger der Nation in die eisernen Arme des Standrechts, man mordet, man vernichtet sie! Die rechtlose Gewalt verfährt mit ihren Gegnern, wie Bonaparte mit dem Enghien. Rache und Heimtücke führen das Schwert des Gesetzes und hüllen ihre blutigen Gestalten in den Mantel der Gerechtigkeit!
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 248. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/256&oldid=- (Version vom 17.5.2025)