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Zwingli, Washington und Bolivar, selbst ein Cäsar, ein Karl der Große und Napoleon, waren nicht bloß Werkzeuge! Aus eigener Kraft wirkten sie nach ethischen Gesetzen und machten sich die Verhängnisse und Verhältnisse unterthan. Ja, der Mensch ist groß! Und der Keime zu großen Menschen leben zu jeder Zeit tausende in dunkler Vergessenheit, die bei rechter Entwickelung einwirken konnten auf das Loos des Geschlechts für lange Zeiten. Jede Lebensstellung gibt dazu Gelegenheit, jeder Wirkungskreis ist dazu geeignet. Erforsche nur Jeder seine Seelenkräfte, dann bilde er sie aus, dann übe er sie!

Zunächst gilt dieser Zuruf der Jugend. Wenn Du aber wissen willst, junger Freund, ob Du Beruf von Oben, d. h. geistige Kräfte, in Dir trägst, für der Menschheit große Zwecke mitzuwirken, – ob Du auch Das wirklich besitzest, was dazu erforderlich ist: – so prüfe ernst. Sprich zu Deiner Seele: Was erkennst Du als ein würdiges, hohes Ziel Deiner Wirksamkeit? Wie willst Du es erreichen? Was weißt Du, das Andern anliegt, auch zu wissen? Was sind Deine Gesinnungen und Ueberzeugungen, die Du Andern einprägen oder mittheilen möchtest? sind sie edel, tugendhaft und geeignet, die Menschen glücklicher, größer zu machen? Wohl kann ein Menschengedanke Gebirge versetzen und Schranken anweisen dem Weltmeere; aber das Streben nach irdischer Größe ist’s nicht, das ich meine; denn aller Ruhm, der nicht die Ewigkeit des geistigen Wirkens zur Quelle hat, ist doch nur wie ein Blatt, das grünt, welkt und abfällt.

Bist Du aber der Kräfte und des Willens sicher: – ehe Du wagst den ersten Schritt nach dem Tempel wahrer Ehre und Menschengröße, – dem Tempel, wo die glänzenden Gestalten Dir winken, die vor Dir eingegangen, – läutere Deine Seele von jeder Schlacke. Entschließe Dich, nie der Selbstsucht und der Unwahrheit auf Deinem Pfade die Hand zu reichen. Stelle Dir auch alles Wehe und Mißgeschick vor, was über Dich kommen kann bei Deinem Streben durch Ereignisse, Zufall und Menschen. Lies die Lebensbeschreibungen großer Menschen und gewöhne Dich an die Vorstellung ihrer Schicksale. Ihr Loosungswort war, und Dein Loosungswort muß werden: – Thue das Gute um des Guten willen, – ohne Ruhm und ohne Belohnung.

Stecke Dir niemals ein Lebensziel, das, erreicht, für die Menschheit einen mehr schimmernden und eingebildeten, als wahren Werth hat. Eine dieser Ziele, das strebende junge Geister so häufig sich stecken, ist der Ruhm großer Fachgelehrsamkeit. Wie viele Tausende gingen diesen Weg, und was wurden sie? Pedanten, voll unfruchtbaren Wissens und unbrauchbar für’s Leben. Unsere wissenschaftlichen Systeme und Meinungen beruhen auf wenigen einfachen Grundsätzen. Bemühe Dich, sie herauszuziehen, und Du hast dann Etwas, das den Wechsel der Zeiten überlebt und das alle Jahrhunderte verstehen. – Mische Dich nie in gelehrten Zank. Es ist neunundneunzigmal in 100 Fällen der Zank von Thoren. – Noch Eins! In der heutigen Welt führt der berechnende, kalte, herzlose Verstand das Steuer; es ist der Kanzler des Teufels Selbstsucht, welcher diese Zeit