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beherrscht und verdirbt. Opfere ihm niemals. Und laß Dich niemals um Dein Gefühl betrügen. Gelingt’s der Welt damit, dann bist du verworfen vom Meister; beim Bau der Menschheit kann er keine Egoisten brauchen. Aber hüte Dich auch vor siechender Empfindelei, wie nicht minder vor dem tollen Hinausstürmen ohne Vorsicht und ohne Klugheit. Ein Tollkopf kommt nie an ein weitgestecktes Ziel.

Werde nie kleinmüthig und entehre Dich nicht und Dein Streben, wenn Dich gemeine Menschen spotten, Dein Thun verleumden, oder schlechte Motive ihm unterlegen. Solche Urtheile zeigen Dir, daß Du höher stehst, als Jene; also müssen sie Dich nicht niederdrücken, sondern ermuthigen. Wecke Deine Tugenden, wenn sie schlummern wollen; rede das Zutrauen zu Dir selbst; ehre Dich selbst.

Und ehre und vertraue dem Meister. Ehre ihn durch die Reinheit des Willens und erforsche ihn durch die Betrachtung seiner Schöpfung. Lerne ihn lieben. Wenn für Dich die Natur den Reiz verliert und ihre Betrachtung nicht mehr Deine Seele erhebt und kräftigt; wenn weder das Morgen- noch das Abendroth Dich mehr entzückt; wenn Du gleichgültig vorübergehst an der blühenden Rosenhecke, oder der Choral der Wälder Dich kalt läßt: dann erkenne, daß Du gesunken bist zum gemeinen Menschen und verdammt bist, mit dem Haufen zu gehen und zu vergehen. Dann schleiche in’s Wirthshaus, oder fahre in’s Bad, oder setz’ Dich an den Spieltisch, oder eile an die Börse, oder häufe Zins zum Kapital; dann genieße oder erwerbe. Wenn Du aber gleichgültig geworden bist gegen die Hundsvötterei auf Erden, wenn es Dich nicht mehr empört, das Unrecht im Rechtsmantel zu sehen, die Sklaverei unter dem Titel der Freiheit, die Niedertracht am Ministertisch, die Feigheit mit dem Ehrenkreuz, und die Tapferkeit und den Edelmuth im Kerker oder auf dem Richtplatz; wenn Dir nicht mehr der Zorn die Stirn runzelt und die Wange röthet bei jedem Blick auf die heutigen Zustände der Gesellschaft, die Satan modelte und der Antichrist gesegnet hat „als Pfaff!“ – wenn Du sie entschuldigst und sagst: „es war von jeher so!“ – dann ist’s Zeit, daß Du Dich verachtest. Dann spotte über Dich und Deine Entschlüsse, und dann erkenne, daß die Empfindung, aus der Dir der Vorsatz zu Besserem und Höherem strömte, nichts gewesen war, als Eitelkeit und Dünkel.

Noch einmal! Bist Du wirklich geschickt für ein wahrhaft großes Werk, – so pflege vor allem jene Kraft und fleckenlose Sittlichkeit des Gefühls, mit der Du als Jüngling den ersten Gedanken faßtest, den ersten Plan entwarfst, den ersten Stein zu seiner Ausführung herbeitrugst. Nähre Deine Seele täglich im Umgang mit Gott, durch Betrachtung seiner Schöpfung, durch ein beharrliches Erforschen seines Planes mit den Menschen, durch die Schriften der Weisen, und kräftige Dein Herz und Deine Vorsätze, so oft es seyn kann, an der Urne eines großen Mannes. Ein großer Mensch ist ein Modell nach der Zeichnung Gottes, aufgestellt auf Erden!

So Zwingli. - Nicht was von den irdischen Thronen, nicht was vom Siegesschwert des Feldherrn, nicht was aus den Schatzkammern der Großen hervorgegangen, ist das Größere, oder kann sich nur vergleichen