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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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mit dem Wirken eines solchen Mannes der grauen Hütte. Was ist von den Heldenzügen eines Alexander, Cäsar, Attila übrig, als ein leeres Andenken und die Spuren von Menschenelend im Staube verwüsteter Städte und Länder? Was ist übrig von den Gründern der Staaten, von den Eroberern der Reiche, ihren Feldherren und Staatsweisen? Ihre Schöpfungen sind vergangen bis auf die Namen, und von ihnen selbst ist in den meisten Fällen nicht einmal das Kleinste, der Name, mehr übrig. Aber die großen Ideen eines Moses, Plato, Sokrates, die Werke Christi und seiner Jünger, die Gedanken eines Aristoteles und Newton, eines Keppler und Galilei, die Werke eines Homer und Schiller, eines Shakespeare und Aeschylus, die Erfindung eines Gutenberg, die Entdeckung eines Columbus, die Thaten eines Luther und Zwingli: – diese leben und wirken fort ohne Ende. „Auf dem Erdball ist die Menschheit ein Geisterreich, geistig ist ihr Wesen und ihr Schaffen. Alles Irdische und Materielle ist nur todtes Werkzeug. Tonnen Goldes, Throne, Heere, Flotten, Tempel und Altäre sind nur Mittel, vergänglich und ohne Werth. Landesfürsten empfangen auf dem Erdfleck, wo sie herrschen, für einen Augenblick Vergötterung des Staubes. Geisterfürsten geben der Geisterwelt, welche den Stern des Erdballs bewohnt, Vergöttlichung. Sie gebieten in ihr ewig.“ –
Papst und Pfaffenthum hatten Christus hehren, freien Gottestempel zum finstern Hause des Aberglaubens gemacht, und christliche Liebe, Tugend, und Wahrheit zum Sumpf des Hasses, des Lasters und der Lüge. Der letzte Funke des christlichen Geistes war ausgetrieben worden, und was zurückgeblieben, war widerliches Pflegma. Sankt Peters Stuhl war beschmutzt vom Laster, und das Siechthum des Hauptes verbreitet in allen Gliedern. Der Geist war dem Fleische dienstbar geworden. In Italien, in Spanien, in Portugal, in Frankreich war die Geistlichkeit das Apostelthum der sittlichen Verderbniß. Die Völker empfingen die Ansteckung, und dem moralischen Gift unterlagen die edlen Kräfte des Widerstands. – Nicht so in Deutschland. Hier war ein festerer Kern im Volke, der von der römischen Fäulniß nicht so bald zerstört werden konnte. Treuherzig hatte der Deutsche immer die Religion ernstlich genommen, und da das römische Pfaffenthum endlich die Larve abzog, und er sah, welch ein frevelhaftes Spiel Unglaube und Betrug mit seiner Einfalt getrieben hatten, da erwachte jener ethische Ingrimm, der unser Volk von jeher zum Werkzeug der Nemesis gestempelt hat. Kühne deutsche Männer traten dem Papstthum entgegen: doch überwältigt von seiner Macht, von seiner Tücke, Bosheit und Arglist, büßten die ersten Helden der Glaubensfreiheit ihr Beginnen mit dem Flammentode. Noch einmal gelang es der Hölle, ihr Reich auf Erden zu festigen. – Aber was aus der äußeren Erscheinung verschwand vor dem Henkerschwert und dem Scheiterhaufen – das fraß sich nun in den Herzkammern des Volkes ein, wühlte in seinem Geiste und hoffte und harrte nur des Augenblicks, wo es, mit Aussicht
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 258. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/266&oldid=- (Version vom 13.6.2025)