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DCXIII. Die Sorbonne und die Universität in Paris.




So lautet die Verheißung: „Nicht wieder soll die Menschheit ausgetilgt werden durch Wassersfluth; in des Geistes Flammen soll sie sich verwandeln und verjüngen. “ – Wenn die alte Kultur angesetzt hat die letzten Ringe, wenn sie vollendet hat ihre Bestimmung, dann streift die Menschheit sie ab, wie die Schlange ihre Hülle, und eine neue Lebensphase beginnt sie auf neuen Prinzipien, mit neuen Begriffen, in neuen Formen. Nur Diejenigen glauben nicht daran, die, vom Egoismus und Vorurtheil geblendet, in Finsterniß wandeln, während Licht die Welt erfüllt. Für Solche bleiben die Lotosblumen der Gegenwart immer geschlossen und die Mitternachtsstunde schlägt niemals aus.

Für solche Kinder des ewigen Schlafs habe ich nie geschrieben. Wer wach ist, wer die Gegenwart begreift, die von Gottes Blitz durchzuckte und von seinem Hauch erwärmte; wer das wilde Toben aller der Kräfte, welche die Gesellschaft durchwühlen, zu beuten weiß; wer sieht, wie sie in tausend Windungen sich aufzuringen strebt zu andern Zuständen; wer gewahrt, wie der Menschengeist Lebensfunken aussprüht nach allen Richtungen, ohne noch das Räthsel seiner Neugestaltung gelöst zu haben; wer im Jetzt und nächsten Künftig die Wehe- und Geburtsstunde erkennt eines höhern Menschendaseyns, daß Grauen eines neuen Schöpfungsmorgens: – dem wird auch diese Zeit mit ihrem Jammer und ihren Schrecken nicht eisig anwehen. Ihr Hauch wird ihm seyn wie kühle Morgenluft, in dem Zwielicht werden aufsteigen vor ihm dämmernde Gestalten, und ausfüllen wird er ihre undeutlichen Lineamente mit seinem Glauben und seinen Hoffnungen. Ihn stört es nicht, bricht das Firmament der Vergangenheit zusammen über seinem Haupte; denn über dem zerbrochenen sieht er gewölbt einen schönern Himmelsdom, geschmückt mit hellern Sternen.

Darum sollen wir mit dem Leib und Schmerz dieser Zeit uns zu vertragen wissen. Denke Jeder daran, daß sie eine Brücke ist zu einer neuen Zeit, daß sie folglich ein Losreißen von Allem verlangt, was dieser nicht angehört. Fordert sie, daß wir die größten, heiligsten und liebsten Güter zurück lassen, so hilft alle Trauer um dieselben nichts und alles Zagen mehrt nur den Schmerz um das Verlorne. Selbst die Vorrathskammern unserer Bildung sind nicht ausgeschlossen