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lebendig, sie sey auserkoren zu ihrem Herrn und Meister. Ihre Cortez’ und Pizarro’s verstanden es, die Sendung zu erfüllen. Sie zogen aus in die neuentdeckten Länder auf Abenteuer und Beutefahrten und unterwarfen sich Länder und Reiche. Wegen des überschwenglichen Glücks in der Fremde vernachlässigten sie aber die Güter in der Heimath und ihr Sinn verwilderte auf den blutigen Eroberungszügen. Die Schätze, welche sie aus Amerika zurückbrachten, reizten die niedrigen Leidenschaften Habsucht und Golddurst, und diese erstickten im Volke die edlern Triebe. Die besten Kräfte der Nation erschöpften sich allmählig in den zahllosen Auswanderungszügen nach den neuerworbenen Ländern, und die dem Königshause erwachsene größere Macht benutzte dieses, die Befugnisse seiner Herrschaft auf Kosten der Volksfreiheit immer mehr zu erweitern. Während sich die Spanier eine halbe Welt unterthänig machten, wurden in der Heimath für die Nation Ketten geschmiedet; während Kolonien auf Kolonien zu Glanz sich erhoben, erblichen die Sterne des Volksglücks im Mutterlande und kam über dasselbe Welken und Siechen. Und als endlich den Bourbons – diesem mit dem Verderben so vieler Völker beladenen Geschlecht – durch Arglist es gelungen war, ein Reis ihres Giftbaums auf den spanischen Thron zu pfropfen: da flatterte von demselben das Banner des Volksbetrugs öffentlich und jene schamlose Willkürherrschaft trat ein, welche, vom französischen Hofe ausgehend, sich nach und nach über Europa wie eine Pest verbreitete. Was an Freiheit übrig, wurde unterdrückt, oder herabgewürdigt zu bloßen Formen; Handel und Industrie wurden fremden Interessen geopfert und mit schwindelnden Finanzoperationen das Vertrauen der Nation und im Auslande betrogen, um die Mittel für bodenlose Verschwendung zu schaffen. Was die Regierung nicht vermochte, um die Nation zu verderben, das thaten die Pfaffen, und die Kirche stand sich wohl dabei: in ihrer fluchbeladenen Hand, welche die Scheiterhaufen der Inquisition nicht ausgehen ließ, häuften sich Schätze und ein Drittel der ganzen Oberfläche Spaniens ward ihr Eigenthum. Der Adel verkam am verschwenderischen Hofe und das Volk verdummte allmählig so sehr, daß es selbst die Erinnerung an seine große Vergangenheit verlor. Die Literatur war eine Bettlerin geworden bei der alten Zeit; die Pflege der Wissenschaft hatte aufgehört, die Kunst war erstorben, das ganze Reich war ein Bild der Kraftlosigkeit und Hinfälligkeit. Da wehte plötzlich der Hauch der französischen Revolution nach Spanien hinüber und am starren Fels weckte der warme Athem der Freiheit neues Leben! Was damals keimte, das schoß dann plötzlich zum hohen Baume auf, als Napoleon mit kühnem Griff das verrottete Königsgeschlecht vom Throne schüttelte und das Land als gute Prise erklärte. Da erhob sich das Volk zur Verwunderung der Welt, und es schien wieder das alte geworden. Spanien wurde zum Grab der französischen Heere und an der spanischen Brust brach sich der Glaube an des Weltbezwingers Glück und Unbesiegbarkeit. Spaniens Ruhm erglänzte während eines fünfjährigen Kampfes in Flammenschrift; indessen war’s doch nur ein Feuer ohne Dauer: der Phönix fehlte der Flamme: ein neues Spanien erstand nicht. Zu lange hatte des Despotismus Gift im Volkskörper gewüthet: alle Siege und Kriegsehren konnten eine innere Umbildung nicht bewirken, und als der