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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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von der allgemeinen Gefahr! Wir dürfen nicht hoffen, sie als ein ganz ungeschmälertes Erbe unsern Kindern und Enkeln zurückzulassen; denn auch auf dem Gebiete der Wissenschaft und Erziehung ist Auflösung und Neugestalten, und Vieles, was wir hoch halten und verehren, bleibt, verworfen von der neuen Zeit, in der Rumpelkammer der Vergangenheit zurück. Die Zeichen reden. Der tiefe Zwiespalt der Zeit in Grundsätzen, Ansichten, Glauben, Hoffnungen und Bestrebungen wühlt, wie auf dem Gebiete der Politik, so auf dem Gebiete der Erziehung, und stärkt sich durch jede neue Schlacht. Die alte Welt mit ihren Errungenschaften liegt in unversöhnlichem Streit mit jener andern, die jung aus dem Meere der Zeiten ragt, und der die Zukunft so gewiß gehört, wie jener die Vergangenheit. Beider Ansichten, Gesinnung, Thun und Trachten stehen einander schroff gegenüber. Es ist vergeblich, eine Einigung anzustreben; es ist dies so vergeblich, als wollte man dem Strom wehren, daß er nicht abwärts fluthe; oder dem Baum gebieten, daß er andere Frucht trage, denn die seinige; oder dem Sturm sagen: Fahre zurück, woher du gekommen bist! – Der Streit rast, die feindlichen Richtungen und Bestrebungen wogen auf und nieder; bald unterliegt die eine, bald erhebt sich die andere. Manche der Besten, Edelsten der Zeit sind zwar noch in dem Wahne befangen, daß bei der Lösung der großen Probleme der Neuzeit ihre Hand vermittelnd, versöhnend, ausgleichend eingreifen müsse. Eitle Vorstellung! Einen solchen Kampf endigt kein Friedensschluß, in der Vernichtung der einen Partei, oder der andern findet er allein das Ziel.
In zwei Hauptrichtungen wogt der Streit auf dem Gebiete der Erziehung. Man könnte sie die ideale und die materielle heißen. Die ideale betrachtet die gegenwärtige Bildung als einen von der Vergangenheit und ihren reichsten Geistern überkommenen Schatz, dessen Gebrauch an die Kunde der Sprachen, der Schicksale, der Zustände jener Zeiten, aus welcher er herstammt, geknüpft ist. Alles, wodurch wir geworden sind, was wir sind, liegt in ihrem Kreise: Christenthum, Poesie, Geschichte, Philosophie, kurz, alle Vorstellungen, Ueberzeugungen, Gewohnheiten, auf welchen die soziale und politische Ordnung der Gegenwart beruht. Alles, was Religion, Bildung und Staat begreift, zieht mit seinen Wurzeln hinab in die Jahrhunderte des klassischen Alterthums; es saugt aus ihm Nahrung und Gedeihen und es verdirbt und verdorrt, so wie jene Wurzeln durchhauen werden und sich die Gegenwart von der Vergangenheit ablöst.
Dieser idealen Richtung, welche Kraft und Trieb saugt aus der Vorzeit, ist jene materielle gegenübergestellt, die vorzugsweise auf Erwerb, Vermehrung und Gebrauch der äußern Güter gerichtet ist und für diese soziale Geltung und Ehre fordert. Sie will, daß man Das obenan stelle, was die Summe der äußern Güter vergrößert oder edler gestaltet, vor allem Das, was dem Einzelnen, der Familie, der Gemeinde, dem Staate Reichthum zuführt und ihr Wohlbehagen, ihre Glückseligkeit, ihre Macht vermehrt. Sie will auch,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 263. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/271&oldid=- (Version vom 13.6.2025)