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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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den Alten noch unbekannten Institute, so mußten wir ihm schon dankbar seyn. Weder Schriftthum, noch Buchdruckerkunst, noch Literatur überhaupt haben eine so durchgreifende und mit den Zeiten immer wachsende Wirkung auf Denkart und Sitten nicht bloß der Gelehrten, sondern auch des Volks ausgeübt. Durch sie wurde zuerst die Idee der Wissenschaft als eines organisch gegliederten Ganzen zu immer allgemeinerem Bewußtseyn gebracht und sie waren es vor Allem, welche die Fesseln der Kaste, durch welche die wissenschaftliche Kultur in den Schulen der Geistlichen gelähmt war, sprengten und sie zum Gemeingut Aller machten. Gegenüber den Rittern auf den Schlössern und dem Edelmann an den Höfen traten jetzt die Ritter der Wissenschaft auf, und es entstand damit ein Adel, der zu gleicher Zeit der allgemeinste und der individuellste, recht eigentlich ein geborener war, weil er sich auf das angeborene Talent gründete.“[1]
Die Universität zu Paris ist eine der ältesten. Ludwig der Heilige stiftete sie. Sie hob sich schnell zu Ansehen, Einfluß und Macht. Viele Jahrhunderte hindurch war sie der Mittelpunkt der Gelehrsamkeit, die Quelle der höchsten geistigen Bildung und oft eine Festung der Freiheit. Bei stürmischen Entwickelungsschritten des Volkslebens, besonders in den Bürgerkriegen zu Paris, legte sie nicht selten ihr Wort neben das Volksschwert in die Wagschale und – entschied. Am einflußreichsten und von der Staatsgewalt am gefürchtetsten war die theologische Fakultät: die Sorbonne. So hieß dieselbe zu Ehren von Robert von Sorbon (einem Dorfe der Champagne), dem Kaplan Ludwigs des Heiligen, welcher sie als Bildungsanstalt für junge Weltgeistliche stiftete. Mit aller Anmaßung, deren die Vertreter der Interessen Gottes, des Himmels, der Ewigkeit, der Religion, der Kirche von jeher fähig waren, warf die Sorbonne das Haupt empor, sobald politische oder religiöse Streitigkeiten den Staat bewegten. Ungefragt und ungebeten trat sie als Richterin auf, und ihren Aussprüchen wußte sie Folge zu geben und jede Opposition zu vernichten. So kam es, daß endlich die Könige keine die Kirche oder Religion angehende Maßregel mehr trafen, ohne die Sorbonne vorher um ihren Rath gefragt zu haben, der gewöhnlich in der Form von Gutachten und Beschlüssen ertheilt wurde, die auf Geist und Gestaltung des Katholizismus in Frankreich von entscheidendem Gewicht waren. Ja weit über Frankreichs Grenzen hinaus reichte ihr Einfluß. Lange Zeit war Europa daran gewöhnt, in seinen religiösen Zweifeln und Zerwürfnissen bei der Sorbonne Rath zu holen, und ihren schiedsrichterlichen Urtheilen unterwarfen sich sogar fremde Universitäten.
Der Sorbonne Macht war eine Macht in der Hand des Volks; aus seinen Reihen gingen die Glieder der Sorbonne vorzugsweise hervor. Die Sorbonne hatte es Jahrhunderte lang in ihrer Gewalt, das
- ↑ In der deutschen Vierteljahrschrift für 1845.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 266. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/274&oldid=- (Version vom 13.6.2025)