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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Spekulationen vertieften, bekümmerten sie sich nicht darum, daß der Erzbischof von Salzburg einen Wilddieb für einen geschossenen Hirsch in eine Wildschweins-Schwarte einnähen und von seinen Hunden zu Tode hetzen ließ; bekümmerten sie sich nicht darum, daß ein anderer Bischof den unbefugten Jäger eines Hasen auf einen Hirsch binden ließ, bis dieser, von der ungewohnten Last geängstigt, Tage lang durch Wald und Dörfer laufend verendete; bekümmerten sie sich nicht darum, daß preußische Werber in allen Städten und Flecken des Vaterlandes an der deutschen Jugend ihr kniffiges Seelenverkäuferamt übten, und der Holländer seine Netze aufstellte, um für den Todtenacker in Batavia das Jahreskontingent unter Deutschlands Söhnen zu fangen; blieben sie stumm, da vor ihren Augen deutsche Landesväter ihre Landeskinder, das Stück zu so und so viel Thaler und Groschen, zum Mord der Freiheit auf die Schlachtbank nach Amerika verschacherten. Der gelehrteste Professor nannte sich schamlos dem lumpigsten Edelmann gegenüber „unterthänigster Knecht“. Bedienten-Demuth hatte auf den deutschen Universitäten ihren Stuhl aufgeschlagen, und so notorisch wurde am Ende die Schmach der, trotz ihres Nimbus, schon lächerlich gewordenen Kaste, daß sie die Verachtung des Volks auf sich lud. Sein Sprichwort: „Je gelehrter, desto verkehrter“, ist nicht im Scherz erfunden.
Erst im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts, als der warme Odem der Neuzeit, zuerst erregend, dann auflösend und zersetzend, die Völker berührte, erwachte auch auf den deutschen Universitäten wieder ein frischeres Leben. Als die Stürme der Revolution aus Westen brausten, entwickelte es sich. Aber bald hauchte fremde Gewaltherrschaft die Blüthenknospe eisig an, und noch einmal versank das Universitätsleben in langen Schlummer. Erst mit den Befreiungskriegen, die in diesem Sinne wahrhafte Befreiungskriege genannt zu werden verdienen, brach die schlummernde Knospe auf! Indem der Aufschwung, der die ganze deutsche Nation ergriff, sie von Philister-Feigherzigkeit, von Junkerübermuth und von der offenen und brutalen Tyrannei (an deren Stelle dann eine geheime und verschämte trat) befreite und niederriß den Ueberbau der Ständeschranken, hatte die gemeinsame Gefahr Alle einander näher gebracht, und der Sieg sah Gelehrte und Handwerker Arm in Arm in seinem Zuge.
Herrliche Zeit! Noch einmal glänzten die Universitäten in hellem Strahlenglanz! Sie waren die Herde gewesen, wo die Begeisterung für das Vaterland geschürt worden war. Dort war von der Jugend aus das Feuer in die Kreise der Lehrer und Gelehrten gedrungen und hatte endlich alle Stände erfaßt; von der Jugend war dem Alter das erstorbene Ehrgefühl für die Nationalsache frisch angefacht; die Sorge für das Staatswohl war eine Herzensangelegenheit der akademischen Jünglinge geworden, die vorher, zumeist mit Hunden, Humpen und Raufrappieren beschäftigt, selten mehr als einen Haufen Zuchtpflanzen im Mistbeete der Beamtenschaft vorstellten. Jetzt war abermals den Gelehrten die Gelegenheit geboten, groß für’s Volk zu wirken. Es war jener Begeisterungs-Augenblick,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 269. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/277&oldid=- (Version vom 15.6.2025)