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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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wo es zum ersten Male auf allen Universitäten laut ausgesprochen wurde, daß man für das Volk, nicht für sich studiren solle, und daß alle Resultate des gelehrten Forschens dem Volke zu Gute kommen müßten. – Aber als die wenigen Männer, die an ihren Beruf in den Hörsälen den der Sprecher des Volks knüpften, nach schnell vorübergegangenem Freiheitsrausche entsetzt, verfolgt oder eingekerkert, verstummt waren, – da, nach „Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung,“ schlüpften die Bedientenseelen, die sich während des Sturms verkrochen hatten in der Angst ihres Herzens, wieder hervor, und der alte, das Volk verachtende Gelehrtenhochmuth, der die Servilität willig im Knopfloch trug, steckte sich gravitätisch seinen Zopf an und setzte sich die Lorbeerkronen auf, welche er sich selbst geflochten. Willig gingen die Meisten dem Despotismus im Gefolge, die Minorität aber bildete jenen vortrefflichen Kreis der Liberalen, welche Freisinnigkeit trieben, wie eine feine Lebensart, womit man fortkommt bei Groß und Klein und Gott dienen kann, wie dem Belial. –
Am demoralisirendsten hatten die beiden Restaurationsperioden vor und nach dem dreißiger Jahre auf die Akademien eingewirkt. Entsetzungen und Drohungen, öffentliche Gesetze und geheime Erlasse, Konduitenlisten und Spionierwesen hatten die Lehrer zu demüthigen Werkzeugen der Gewalt erniedrigt, während die Universitätsjugend entweder der Schmiegsamkeit und unentschiedenen Richtung der Mehrzahl bewußtlos folgte, oder in der nach Oben demüthigen und nach Unten hoffärtigen Bureaukratennatur der Landsmannschafter ihrer Selbstsucht fröhnte, oder endlich die Fahne der Gleichgültigkeit aufsteckte und als Brodstudenten nichts weiter erstrebte, als recht bald aus dem akademischen Hörsal in den Stall des Staats an die Krippe zu kommen. Und aus diesem stillen, stockenden, grünbeschlagenen Sumpfe, der so war, wie er auf vielen Akademien noch ist – gingen für die deutschen Landtage jene Vertreter hervor, denen von vorne herein mit dem Muth auch der gute Wille fehlte, ehrlich und treu für das Volk zu schaffen. Gleichwohl drängten sie sich an den Wahltagen herbei und schnappten nach einem Brocken der Volksgunst, um mit dessen Hülfe einen Sitz im Ständesaal, Diäten und die Notiznahme der Regierung zu erreichen. Da saßen sie denn (Ehre den Ausnahmen!) sie, die Männer der Wissenschaft, – im Herzen den Dünkel der Kaste und den Stolz öffentlicher Geltung, und vor sich die schöne Gelegenheit, sich des Ersehnten Mancherlei zu erwerben. Und in der Regel gelang es ihnen auch, mit dem bunten und glitzernden Merkmal ihrer Brauchbarkeit geschmückt, heimzukehren und ihren Wählern ad oculos zu beweisen, daß sie würdige Vertreter des beschränkten Unterthanenverstandes gewesen seyen.
So standen die Dinge. Das Volksurtheil wendete sich immer entschiedener von den Universitäten ab; Achtung und Bertrauen waren sehr gesunken. Da geschah Etwas, – ein Ereignis, eine mannhafte That, die mit einem Schlage die Volksstimmung umwandelte: – der Protest der Sieben von Göttingen! – Die sieben Professoren waren die Helden des Tags, in Millionen hob sich die Brust bei dem überschwenglichen
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 270. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/278&oldid=- (Version vom 15.6.2025)