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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Lobe der Gefeierten, Universität und Volk waren sich wieder einander nahe gerückt. Und diese Beziehungen zwischen der Universitätswelt und dem Volke wurden immer enger, der Rapport immer stürmischer, je näher die vierziger Jahre kamen und je weiter diese dann vorrückten; das bisherige schwere Geschütz der Gelehrsamkeit, die dicken Bücher, blieben mehr und mehr vom Markte zurück und die Tagesschriften fesselten die Theilnahme, bis endlich auch die Sturmvögel der Revolution, die Flugschriften, ihre blitzähnliche Wirksamkeit in Deutschland entfalteten.
Außer den Naturwissenschaften, deren kundigste Forscher und Verbreiter als Förderer des Industrie- und Gewerbewesens mit dem Volke direkt in Berührung kamen, waren besonders die Religion und das Recht Gegenstände täglicher Besprechung in Zeitungen und Flugblättern. Der Kampf gegen den Ultramontanismus und das Muckerthum, die Gründung der deutschkatholischen Kirche und freier protestantischer Gemeinden, die Vertheidigung und Durchführung des öffentlichen und mündlichen Gerichtsverfahrens, endlich die würdigere politische Stellung und Vertretung des Volks – solche Fragen erfüllten alle Herzen, bewegten alle Zungen.
Dieses mächtige Regen und Ringen mit Wort und Schrift, dieser rührige Geisterkampf brachte im Volk das erhebende Bewußtseyn des Besitzes tüchtiger geistiger Streitkräfte hervor. Es erkannte in den Universitäten wieder feste Burgen der Freiheit; es suchte dort ihre tapfersten Vorfechter. Tausend eindringliche Stimmen beschworen die Tage Luthers und der Befreiungskriege in’s Gedächtniß des Volks herauf; die geliebtesten Namen der Nation hallten wieder aller Orten; der kommenden Umwälzung sah die Menge furchtlos, hoffnungsvoll, mit freudigem Herzklopfen entgegen.
Armes Volk! Endlich schien die rechte Ernte so theurer Aussaat für Dich gekommen und Du fühltest in Dir den Stolz auf Deine 20 Hochschulen und ihren Weltruhm. Aber nur zu bald wurden die Zeichen wieder trübe. Es kam ein Herzzucken über Dich, als Dein großes Oesterreich aus den höchsten geistigen Potenzen der Monarchie eine Akademie der Wissenschaften zu Wien errichtete, diesen höchsten Potenzen aber versagte, auch über Welt- und Staatsweisheit ein Wort mit zu reden. Es trat Dir das Roth auf die blasse Wange bei der Botschaft einer sächsischen Preßfreiheit für ABC- und Kochbücher. Und wen dies nicht aufrüttelte – den weckte aus dem Traume seiner Hoffnungsseligkeit gewiß jener große Klatsch von Berlin auf, welchen der höchste Geisterverein im „Staate der Intelligenz“ einem seiner berühmtesten Mitglieder, seinem eigenen Sprecher, auf den Mund gab, weil er einige wahre Worte gesprochen! Als nun vollends nicht eine einzige der deutschen Akademien die superlative Schmach, welche ihnen jener Bedientenstreich der Berliner angethan, rügte, als nicht einmal ein einziges Zeichen des verletzten Gefühls sich in der ganzen deutschen Gelehrtenwelt darüber kund gab: – wer war da nicht tief betroffen! – Jetzt aber, auf einmal, brachen sie los, überraschend und plötzlich, die Tage des Sturms, Tage, die von Jedem prophezeit, von Keinem berechnet werden konnten. Und es kam jene große, reine, fleckenlose
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 271. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/279&oldid=- (Version vom 17.6.2025)