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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Lehrer, Aerzte, Künstler, Handwerker und Kaufleute in großer Zahl. Alles mahnt hier an den deutschen Einfluß, an das Schicksal einer Nation, welche einem kulturreicheren Volke unterworfen ist.
Uebrigens würde man irren, wenn man glauben wollte, das Verwischen des Westslaventhums durch das Deutschthum sey durch den Mord am polnischen Staat beschleunigt oder gar hervorgerufen worden. Es ist ein Prozeß, der schon über 1000 Jahre dauert. Schlesien, Preußen, Sachsen bis zur Elbe und Saale, Ostfranken bis zum Main, alle diese großen und mächtigen Glieder des westslavischen Volkskörpers starben schon vor langen Zeiten ab, und Posen und Galizien werden ihre deutsche Verwandlung auch dann fortsetzen, wenn inzwischen die polnische Unabhängigkeit ihr Auferstehungsfest feiert. Die Kulturwellen gehen von West nach Ost im europäischen Völkermeere, und dieser Bewegung kann das Westslaventhum so wenig entrinnen, als das Deutschthum es vermocht hat, die Verdrängung aus seinen ältesten Sitzen zu hindern. Was ist aus unserm Volke in Burgund, in Belgien, in Lothringen, im westlichen Elsaß geworden? Es ist verschwunden, bis auf die alten Namen, die das Land wie eingesunkene Grabsteine bedecken. Deutsche Sprache und Sitte sind verwischt, und das deutsche Volk selbst hat seine französische Metamorphose dort vollendet. Wie aber das Franzosenthum gegen uns von Westen her andrängt, so drückt das Deutschthum das Westslavische nach Osten. Diese friedliche Eroberung würde selbst durch die Freiheit beider Nationalitäten nicht gestört, nicht einmal gemindert werden. Wir schicken beständig Handwerker, Fabrikanten, Kaufleute, Kolonisten, Bücher, Gelehrte, Künstler, Staatsmänner, Feldherren etc. hin, und ihrerseits drücken die Westslaven wieder auf das Ostslaventhum, eine Bewegung, die nur so lange stagniren wird, als die Knechtung der Polen dauert. Das Russenthum seinerseits rückt beständig nach Osten; es hat die finnischen und tatarischen Reiche zertrümmert, das türkische wird auf seinen Wink stürzen; die Mongolen erdrückt es, der Russifizirungsprozeß ist bis an die chinesische Mauer vorgedrungen. Es folgt die Kulturbewegung von West nach Ost einem unabänderlichen ethischen Gesetze, und wenn, wie es jetzt geschieht, der Wille eines Autokraten, im Bunde mit kurzsichtigen Fürsten, die das Völkerstreben nach Bürgerfreiheit, statt sie zu erheben, ängstigt, es durch Knute und Ketten umzukehren trachtet, so beweist solches die thörichte Vermessenheit von Menschen, die da glauben: das Weltrad gehe oder stehe still auf ihr Geheiß. – Die Unglücklichen! In Wahn und Irrthum verkehrt sich Alles in ihrem Auge, und zu heilen sind sie nur durch den Einen, – der Alle die, denen Länder, Reiche, Welttheile zu enge geworden sind, einst friedlich in den kleinen Raum bettet, welchen auch der Bettler einnimmt.
Alles Ungemach endet der Tod. Aller Schande, Pein und Sklaverei, Menschen und Völkern aufgelegt von Tyrannen, reicht er den Freibrief; menschlichem Uebermuth aber bringt er in letzter Stunde die Schreckensbotschaft: Vergeltung! – Gute Nacht, Nikolaus!
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 282. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/290&oldid=- (Version vom 18.6.2025)