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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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In der englischen Verfassung, deren Lebensfähigkeit, trotz ihres hohen Alters, noch nicht ganz versiegt ist, erscheinen die drei allmählig entwickelten Elemente des Staats auf das Sorgfältigste abgewogen. Die Monarchie ist der Mittelpunkt. Sie regiert durch Gesetze, die der Buchstabe befestigt hat und von deren Unverletzlichkeit die Masse des Volks auf’s Innigste durchdrungen ist. Gestützt durch die Staatskirche, wird sie kontrolirt in erster Stufe durch die erbliche Macht aller Reichthümer und Würden in der Nation – das Oberhaus; in zweiter Stufe durch die Nationalintelligenz, die im Hause der Gemeinen versammelt ist, und über alle Drei wacht die öffentliche Meinung, welche eben so mächtig ist, als unabhängig, eben so geehrt, als ehrenwerth und ehrenhaft: – denn die freie Presse hört auf, geachtet zu seyn von der englischen Nation, sobald sie sich der Leidenschaft, Frechheit und Zügellosigkeit hingibt, was zu thun ihr völlig freisteht. Wunderbares, großes Volk, auf das beim Genuß der vollen Freiheit das Gesetz wie ein Zauberer wirkt und alle Schichten durchdringt, vom Königssohn bis zum Proletarier! Ich sah den Bruder des Königs aus seinem Wagen steigen im Regen auf offener Straße und dem Gerichtsdiener willig folgen, der ihn um eine vergessene Fünfschillingschuld an einen Tagelöhner verhaftete; ich sah vor dem blauen Stabe des Konstablers versammelte Volksmassen von Zehntausenden sich ruhig auflösen und entfernen, die einen Augenblick vorher ihr Verdammungsvotum gegen Regierungsmaßregeln ausgesprochen hatten und durch die Reden der Volkstribunen auf’s Höchste erregt schienen. Wunderbares Volk, das, in hundert Sekten gespalten, dennoch darüber einig ist, daß die Religion der Grundstein sey alles Lebens im Staate und aller Gesetzgebung; die Weihe jeder weltlichen Bestrebung, die Quelle aller Güter und selbst der Güter allerhöchstes. Wunderbares Volk, das sogar noch in der Aristokratie ein Element der Freiheit finden konnte, aber auch eine Aristokratie besaß, wie ein anderes: eine Korporation, in welcher das Ansehen, die Pracht, die Würde der Nation dem Ansehen, der Pracht und der Würde der Monarchie entgegentritt, welche die geschichtlichen Erinnerungen trägt, umhangen ist mit dem Ruhm und den Ehren Englands, und in der der edle Stolz, die anständige Würde, die unabhängige Gesinnung und das sichere Selbstgefühl ihren Ausdruck findet. Endlich der Wunder größtes: das Volk selbst, fest fußend auf die Selbstständigkeit der Gemeinde und auf das klare Bewußtseyn und Verständniß seiner Rechte, geübt in der Vertheidigung seiner Interessen, bereit, für die Freiheit jedes Opfer zu bringen, geschützt durch die Oeffentlichkeit, durch Schwurgerichte in seinen bürgerlichen Rechten geschirmt gegen jede Willkür und ermächtigt, alles, was die Nation Ausgezeichnetes enthält an Talent, Erfahrung, Charakter, Gesinnung und Tüchtigkeit, zum Vertreter seiner Interessen zu erlesen und in das Unterhaus zur Kontrolirung der Regierung und zur Gesetzgebung zu senden. Willig erträgt das Volk die Last einer erblichen Krone, welche die Unverletzlichkeit heiligt und die ausgestattet ist mit allen Prärogativen, welche zur Handhabung der Macht im Sinne der Majorität der Volksvertretung nothwendig
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 30. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/38&oldid=- (Version vom 25.4.2025)